Musikalischer Austausch zwischen Wien & Bratislava

Konzerte der mdw und der Vysoká škola múzických umení Bratislava

Wien und Bratislava liegen nahe beieinander und sind traditionell miteinander verbunden. Schon im Februar 1914 verkehrte eine elektrische Lokalbahn  (die Pressburger Bahn) zwischen beiden Städten.

Nach dem Fall des eisernen Vorhanges sind Wien und Bratislava wieder nur 50 Fahrminuten voneinander entfernt. Umso erstaunlicher ist es, dass bis jetzt zwischen den Musikhochschulen beider Städte keine wirkliche Zusammenarbeit stattgefunden hat.

Gastkonzert VSMU
Gastkonzert der VŠMU an der mdw

Erstes gemeinsames Konzertprojekt

Die Idee dazu entstand, nachdem ich sehr nette und motivierte Kollegen von der Hochschule für musische Künste (auch Hochschule für Musik und darstellende Kunst in manchen Übersetzungen) kennengelernt habe – die Klavierprofessoren Jordana Palovičová und Daniel Buranovský.

Brücken bauen ist etwas, was mir als in Bulgarien geborene und seit 30 Jahren in Wien lebende Musikerin sehr liegt. Ich habe sehr oft Konzerte mit Kollegen aus Wien in Bulgarien organisiert und auch bulgarische Musiker nach Wien eingeladen.

Gastkonzert VSMU
Gastkonzert der VŠMU an der mdw

Allerdings hat so eine institutsübergreifende Initiative, wie dieser Austausch von Gastkonzerten mit der VŠMU eine ganz andere Dimension, die mir noch nicht zur Gänze bewusst war, als ich mich in die Verwirklichung der Idee gestürzt habe!

Hätte ich damit begonnen, wenn ich gewusst hätte, wie viele Stunden Planung, Schreibarbeit, Besprechungen damit verbunden sind? Vermutlich ja, besonders nach den wunderbaren Erfahrungen, die diese Gastkonzerte gebracht haben und ich das Strahlen in den Gesichtern der Studierenden aus Bratislava und aus Wien gesehen habe!

Aus einer Idee wird ein gemeinsames Projekt

Nun der Reihe nach – schon vor dem Sommer hatte ich ein Sondierungsgespräch mit unserem Büro für Internationale Beziehungen, aus dem mir klar wurde, dass ich die ganze Organisation und Koordinierung übernehmen müsste, wenn ich das Projekt verwirklichen möchte und das dafür keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

Im Laufe der monatelangen Vorbereitung habe ich aber mit großer Freude festgestellt, dass an unserer Universität so viele Menschen arbeiten, die ein offenes Ohr für meine Fragen und Anliegen hatten, die mit Vorschlägen, Ideen und dem eigenen Einsatz unbürokratisch und kreativ geholfen haben.

Gastkonzert VSMU
Gastkonzert der VŠMU an der mdw

Kurz vor seiner offiziellen Inauguration hatte ich ein konstruktives Gespräch mit unserem neuen Vizerektor für Außenbeziehungen Christian Meyer, der zu meiner Freude das Projekt sehr interessant fand. Er versprach, sowohl beim Gastkonzert der Studierenden aus Bratislava in Wien am 28.1. dabei zu sein, als auch mit uns nach Bratislava zu fahren und unserem Konzert am 10.2. beizuwohnen. Er hat, trotz sehr dichtem Terminkalender, sein Versprechen gehalten!

Für mich persönlich war es eine unerhörte Bereicherung, durch die Vorbereitungen so viele wertvolle und kompetente Menschen, die für diese Universität tätig sind, kennen und schätzen gelernt zu haben!

Teil 1: Das Gastkonzert der VŠMU an der mdw

Nach monatelanger Vorbereitung, kam dann der 28. Jänner. Ich war schon um 8.30 Uhr in unserem Festsaal, um die ersten aus Bratislava per Auto anreisenden Studierenden zu empfangen.

Etwas später kamen per Bahn meine liebe Kollegin Jordana Palovičová, die die ganze Organisationsarbeit in Bratislava geleistet hat, und die Vizerektorin Svetlana Waradzinova, die ich bei der Inauguration kennengelernt habe. Ich habe beide Damen von der Straßenbahn am Schwarzenbergplatz abgeholt und nachdem wir festgestellt haben, dass die Studierenden uns bei der Generalprobe nicht brauchen, konnte ich sie zum Kaffee im “Sacher” einladen!

Gaeste aus Bratislava
Studierende & Lehrende der VŠMU

Um 12.00 Uhr begann das Konzert!

Natürlich hätte ich mir mehr Interesse seitens unserer Studenten gewünscht! Es war eines der Ziele einer solchen Zusammenarbeit, den jungen Leuten die Möglichkeit zu bieten sich kennen zu lernen, zu hören wie die Kollegen aus Bratislava spielen, wie weit sie sind, was für Repertoire sie mitbringen. Leider ist die Neugierde offensichtlich nicht groß genug, um sich die Zeit zu nehmen so ein Konzert anzuhören. Zum Glück war der Saal ziemlich voll durch auswärtiges Publikum.

Das slowakische Kulturinstitut, dessen Direktorin Frau Alena Heribanova anwesend war, hat dankenswerterweise auch Werbung gemacht und so waren genug Zuhörer vorhanden, die das interessante und abwechslungsreiche Programm genießen konnten.

Highlights des VŠMU Gastkonzerts

Ungewöhnlich und reizvoll für uns waren die beiden Akkordeon-Darbietungen auf sehr hohem Niveau. Ich habe dann über meine mdw E-Mail-Adresse eine Zuschrift von einer Zuhörerin aus dem Publikum bekommen, der das Gastkonzert so gut gefallen hat und die über die Akkordeon-Beiträge so entzückt war, dass sie wissen wollte, ob es in Bratislava öffentliche Klassenabende gibt (so wie bei uns), damit sie nach Bratislava fahren und solche Konzerte besuchen kann.

Gastkonzert VSMU
Ungewöhnlich und reizvoll: die Akkordeon-Darbietung auf sehr hohem Niveau.

Mich hat auch der Bass Boris Prygl sehr stark beeindruckt. Der Kollege Stefan Neubauer, der neben mir saß, flüsterte mir ins Ohr: “Er kann gleich in die Staatsoper rübergehen!”

Boris Prygl
Der Bass Boris Prygl: “Er kann gleich in die Staatsoper rübergehen!”

Auch die Pianisten Iris Marina Wefers und Peter Sandor haben sehr intensive Interpretationen geboten.

Zwei Wochen später am 10. Februar waren wir dran.

Teil 2: Die Anreise nach Bratislava

Ich bin den 10 Teilnehmern mit ständigen Erinnerungsmails bezüglich Reise, Treffpunkt, Kontakte usw. vermutlich sehr auf die Nerven gegangen! Allerdings habe ich mir Sorgen gemacht, dass vielleicht jemand krank wird oder zum Treffpunkt zu spät kommt, oder seine Reisedokumente vergisst, die man heutzutage wieder mithaben muss.

Diese Sorge verfolgte mich auch in meinem Schlaf. Ein paar Tage vor unserer Reise habe ich geträumt, dass ich an einer Grenze meinen Pass zeigen muss, ich hatte aber nur die Hülle mit – der Pass war nicht drin…

Bratislava
©shutterstock / S-F

Am 10.2. hat aber alles perfekt geklappt. Alle waren überpünktlich am Treffpunkt und um 14.30 Uhr saßen wir schon im Bus nach Bratislava.

Eine Stunde später wurden wir bei strömendem Regen an der Bushaltestelle von der Vizerektorin Frau Waradzinova persönlich abgeholt und waren nach 10-minütigem Marsch (genug, um bei diesem Wetter nass zu werden) in der Hochschule.

Unser Gastkonzert an der VŠMU

Der Saal hat uns allen sehr gut gefallen: frisch restauriert, mit einem schönen Steinway Flügel und einer sehr guten Akustik, besonders wenn das Publikum den etwas zu starken Hall neutralisiert.

Besonders günstig ist der große Raum hinter der Bühne, den man vom Gang erreicht und wo man sich unmittelbar vor dem Auftritt aufhalten kann.

Konzertsaal
Der Konzertsaal an der VŠMU

Der Saal hat etwa 140 Sitzplätze und war sehr, sehr gut gefüllt. Es war einer dieser Abende, an dem alles gelingt!

Ich kann wirklich sagen, dass alle, ohne Ausnahme, ihre beste Leistung und eine sehr inspirierte musikalische Darbietung präsentieren konnten. Das wurde auch vom Publikum mit herzlichem Applaus bedankt. Die Stimmung war unglaublich gut und alle – auf der Bühne und im Saal – haben sich wohl gefühlt.

Gastkonzert VSMU
Gastkonzert an der VŠMU

Wie ich schon erwähnt habe, war unser Vizerektor Christian Meyer extra nach Bratislava gekommen und hat dann das Konzert als “durch die Bank hervorragend” bezeichnet und den Studierenden gesagt, wie stolz er auf sie ist.

Aus Wien ist weiters Frau Bojana Tesan vom Veranstaltungsmanagement unserer Universität gekommen, um uns zu unterstützen. Auch der Direktor des österreichischen Kulturforums, Herr Wilhelm Pfeistlinger hat uns mit seiner Anwesenheit beehrt.

Gastkonzert VSMU
Gastkonzert an der VŠMU

Rückfahrt & Ausblick

Nach einem Glas Wein und Knabbereien haben wir uns in bester Stimmung auf dem Weg zum Bus gemacht. Es regnete nicht mehr, wir haben unter dem Eindruck der von Iva Nedeva gespielten Carmen-Fantasie Ausschnitte aus der Oper Carmen gesungen und saßen wenig später um 21.30 Uhr wieder im Bus nach Wien.

Von den Meldungen, die ich von den mitwirkenden Studierenden bekommen habe, kann ich entnehmen, dass alle eine sehr positive und beglückende Erinnerung an dieses Konzert in Bratislava mitgenommen haben.

Gastkonzert VSMU
Gastkonzert an der VŠMU

Ich hoffe sehr, dass diese Gastkonzerte nur der Anfang einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen beiden Musikuniversitäten sind und weitere Veranstaltungen wie Meisterklassen und sonstige Initiativen stattfinden werden – vielleicht auch mal gemeinsam an einem Ort auf halber Strecke zwischen Wien und Bratislava, wie z.B auf Schloss Kittsee. Zu wünschen wäre es 🙂

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