“Wenn es anders kommt als geplant und besser wird als erhofft”

Eine Woche Workshop an der Vietnam National Academy of Music in Hanoi

Wie schon bei früheren Gelegenheiten zu Workshops stellte ich einen Unterrichtsplan mit dem Lehrziel “Interpretation und Präsentation von Arien mit Accompagnato-Rezitativen” zusammen und schlug Mozart-Arien für die entsprechenden Stimmgattungen vor. Am Beginn sollte eine allgemeine Theoriestunde für alle stehen, in deren Rahmen ich den Lehrplan vorstellen wollte und sich die Teilnehmer gesanglich präsentieren sollten. Darauf folgend Einzelunterricht mit der Aufforderung an alle übrigen, mitzuhören, um am letzten Tag das Erarbeitete wieder in Form einer gemeinsam für alle stattfindenden Stunde vorzutragen.

Soweit die Planung. In der Praxis lief es allerdings etwas anders.

Vietnam National Academy of Music
Universitätslogo am Eingang zur Vietnam National Academy of Music

Am Vorabend des Kursbeginns bekam ich eine Teilnehmer- und Programmliste: Angemeldet hatten sich acht Studierende, vier Damen und vier Herren. Diese hatten ein- bis zwei Wunscharien aus Zauberflöte, Don Giovanni, Cosi und Figaros Hochzeit zum Erarbeiten angegeben. Aus organisatorischen Gründen kam die erste gemeinsame Theoriestunde nicht zustande, da parallel zum Workshop Semesterprüfungen sowie ein großes Vorsingen in Anwesenheit des für die Akademie zuständigen Ministers stattfanden. Daher gab es ausschließlich Einzelstunden mit gelegentlich anwesenden Zuhörern. Zur allgemeinen Abschlusspräsentation fand sich nur die Hälfte der Teilnehmenden ein, weil wieder gleichzeitig Prüfungen stattfanden.

Vietnam National Academy of Music
Haupteingang zum großen Konzertsaal

Die sich aus dieser aktuellen Situation ergebenden Änderungen erwiesen sich aber durchaus als Segen für den praktischen Unterricht, weil ich meine eigenen Erwartungen zu hoch angesetzt hatte:

  • Die von den Teilnehmenden selbst ausgewählten Arien waren teilweise zu wenig vorstudiert.
  • Da die Studierenden nur vietnamesisch sprachen, ging durch das notwendige Übersetzen Zeit verloren. Der Unterricht fand in Englisch statt, eine ausgezeichnet englischsprachige, ebenfalls am Workshop teilnehmende Studentin fungierte als Dolmetscherin. Auch die von der Akademie beigestellte Pianistin sprach hervorragend Englisch.
  • Versuchte ich zu Beginn noch auch auf die (Aus)sprache Wert zu legen (deutsch/italienisch), verzichtete ich in der Folge darauf – mein eigentliches Lehrziel “Interpretation/Präsentation” wäre zu kurz gekommen.
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Trakt der Unterrichtsräume

Das stimmliche Niveau der Sängerinnen und Sänger war durchaus zufriedenstellend: Ein Sopran, Hoang Thi Anh (Zerlina “Batti, batti”), ein Mezzo, Nguyen Bich Ngoc (Cherubino “Ich weiss nicht wo ich bin”), ein Tenor, Nguyen Man Hoach (Idomeneo “Fuor del Mar”), zwei Bässe Nguyen Thanh Trung (Figaro “Se vuol ballare”) und Phan Trung Kein (Sarastro “O Isis und Osiris”).

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Aufgang zum kleinen Konzertsaal (Kammermusiksaal)

Die Voraussetzungen für die Durchführung des Workshops waren ausgezeichnet. Meinem Wunsche entsprechend wurden Dolmetsch, Pianist und ein geeigneter Raum mit Klavier für den Gruppenunterricht zur Verfügung gestellt. Die Unterrichtszeit war mit 2 ½ Stunden täglich vorgegeben. Der Unterricht fand auf der Bühne des “Kammermusiksaales” statt, dem kleineren von zwei akademieeigenen Konzertsälen.

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Der Schauplatz des Workshops: Die Bühne des Kammermusiksaales

Vor dem Beginn des Workshops fanden die Begrüßung und eine Besprechung mit Herrn Prof. Dr. Nguyen Minh Anh (Rektor der Akademie) und Frau Nguyen Thi Hai Van (Internationale Beziehungen) statt, sowie zum Abschluss ein Resümee wieder mit Frau Van. Unverbindlich besprachen wir auch eine Fortsetzung des Kontaktes bzw. Wiederholung des Workshops. Das bezieht sich nicht nur auf Sänger, sondern könnte auch auf Instrumentalfächer ausgedehnt werden. Auch Herr Dr. Ngo Chi Trung (Vizepräsident ASEA-UNINET) äußerte sich in einem Gespräch in diesem Sinne. Das Potential für einen zielführenden Unterricht wäre zweifellos vorhanden.

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Ngoc Son Tempel im Hoan Kiem See

Die Unterbringung in einem in der Altstadt zentral gelegenen ***Hotel (+Frühstück) war gut, der Transfer Flughafen – Hotel – Akademie verlässlich organisiert. Alles in allem erlebte ich eine gute Zeit, meine Studentinnen und Studenten hoffentlich ebenso.

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