Post aus Köln

Wer wissen will, wie es mir an der Hochschule in Köln ergangen ist, findet hier einen kurzen Bericht.

Mein siebtes Semester durfte ich an der Hochschule für Musik und Tanz Köln im Fachbereich Jazz/Pop verbringen. Es war mit Abstand eines der schönsten Semester die ich bis jetzt erlebt habe.

Unterkunft

In Köln gibt es zwei Möglichkeiten um zu einer Wohnung zu gelangen. Erstens, man bewirbt sich online bei dem Studierendenwerk und bekommt einen Platz im Studentenwohnheim (um einiges günstiger) oder sucht sich schlicht und einfach selbst eine Wohnung. Ich habe ersteres versucht, bin aber schließlich bei Punkt zwei gelandet.

Um einen Platz im Wohnheim zu bekommen, ist eine Online-Anmeldung erforderlich. Erasmus Studenten werden bei diesem System angeblich bevorzugt, von dem ich aber nichts mitbekommen habe. Im Nachhinein habe ich von Kommilitonen erfahren, dass Anrufen und sich beschweren die effektivste Lösung ist, um einen Platz im Studentenwohnheim zu bekommen.

Die Wohnungspreise in Köln sind ähnlich hoch wie in Wien. Am besten eignen sich (von der Lage zur Uni) die Stadtteile Nippes, Ehrenfeld und alles rund um die Zülpicherstraße (absolutes Studentenviertel).

Einführungsveranstaltungen

Die Einführungsveranstaltungen waren wirklich großartig und an gratis Alkohol (natürlich nur “Kölsch”) hat es wirklich nicht gefehlt.

Meine erste Einführung und zugleich Besuch der Hochschule hatte ich eine Woche vor dem offiziellen Semesterbeginn mit den restlichen Erasmusstudenten. Insgesamt waren wir 10 Austauschstudierende (drei im Fachbereich Jazz) aus Portugal, England, Belgien, Frankreich, Schweiz und Norwegen.

Zusammen mit den Erstis wurden von dem Betreuungsbüro insgesamt 15 Veranstaltungen in den ersten drei Wochen organisiert um sich besser kennen zu lernen. Am Programm stand unter anderem eine gemeinsame Wanderung, Konzerte und Jamsessions, eine Führung durch die Philharmonie Köln, eine Tour durch das ganze Hochschulgelände, Bibliothekseinführungen, ein Museumsbesuch und natürlich die Ersti Party. Alle Veranstaltungen, man höre und staune, ohne einen Cent zu bezahlen. Dank dieser großen Dichte an Veranstaltungen konnte ich in den ersten zwei Wochen bereits einen Großteil der Studierenden kennenlernen.

Erasmus KollegInnen
Julia mit ihren Erasmus KollegInnen

Lehrangebot/Kurswahl/Learning Agreement

Auf der Homepage der Hochschule sind leider immer nur die Kurse des gerade stattfindenden Semesters angegeben, welche von Semester zu Semester variieren. Somit wird sich euer Learning Agreement am Beginn des Aufenthaltes etwas verändern, sollte aber kein Problem sein.

Die Anmeldung für LV und Kursen erfolgt per Mail an den jeweiligen Kursleiter. Für das Wintersemester beginnt diese Anmeldung schon Anfang  September, was den Erasmusstudenten und den Erstis leider nicht mitgeteilt wurde und wir somit nicht unseren Platz für die Wunschcombo bekommen haben. Alles andere war jedoch kein Problem. Die Zusatzinformation “Ich bin Erasmusstudent/in” ist bei der Anmeldung auf alle Fälle hilfreich.

Außerdem ist es an der Hochschule Köln möglich sein Hauptfach zu teilen, was für mich eine unglaubliche Bereicherung war. Insgesamt bekommt jeder Studierende 90 Minuten, welche je nach verfügbaren Plätzen auf verschiedene Lehrer aufgeteilt werden können. So hatte ich zum Beispiel 60 min. Bassunterricht und die übrigen 30 min. durfte ich auf den Schlagzeugprofessor aufteilen.

Die Lehrenden an der Hochschule sind alle super nett, wahnsinnig kompetent und sehr hilfsbereit. In diesem Punkt wurden meine Erwartungen wirklich übertroffen. Da sich die Zahl der Jazzstudierenden in Grenzen hält, wird auf die Entwicklung und Ziele jedes Einzelnen großen Wert gelegt. Projektvorstellungen, individuelle Beratungsgespräche und eine Vielzahl an Workshops (für alle Instrumente) gehören zu den täglichen LV. Workshops hatte ich zum Beispiel bei Jim Black, dem Pablo Held Trio und William Parker.

Ich habe die Kurse Bühnenpräsenz, Symmetrische Skalen, Combo “Pearls of Pop”, Combo “Vocal and Guitar”, Vocal Basics, Tontechnik, Rhythmik Vertiefung, Instrumentierung und Musikerrecht besucht.

Leben in Köln

Köln hat ein breitgefächertes Konzertprogramm. Egal ob Klassik in der Philharmonie Köln, Jazzkonzert im Stadtgarten oder Jamsessions im Barinton, es dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein.

Philharmonie Köln
Philharmonie Köln

Die Stadt ist von der Architektur her natürlich nicht mit Wien zu vergleichen. Da im zweiten Weltkrieg nicht mehr viel von der Stadt übrig geblieben ist, musste alles schnell wieder aufgebaut werden. Dafür sind die Menschen hier äußerst freundlich, höflich und gut gelaunt, was zu Wien eine schöne Abwechslung ist 😉

Die Preise für Lebensmittel- und Hygieneartikel sind in Deutschland deutlich günstiger im Vergleich zu Österreich. Der Konsum von Alkohol ist in der U-Bahn nicht erlaubt, so auch das Rauchen in Lokalen.

In Köln gibt es sehr viele schöne Parks und Grünflächen mit Streichelzoofeeling. Es ist in Köln nämlich ganz normal, dass Hasen in den Parks herumhoppeln. Das erste Mal hatte ich diese Hasenhorde in einem Park eines Altenheims gesehen und dachte mir, es gehöre zum Programm dazu. Nein! 🙂

Sportangebote

Hier in Köln sind die Sportangebote für Studenten breitgefächert und kostengünstig. Die Plattform für die vielen Kurse sind auf der Homepage der Uni Sport Köln abrufbar. Ich habe mich zum Beispiel für die Kurse Sportakrobatik, Turnen und Bodyfit entschieden.

Für gewisse Sportkurse ist eine Sportkarte erforderlich, die für 15€ online oder persönlich im Unisportzentrum zu erhalten ist. Hast du die Sportkarte erst einmal erworben, kannst du alle Kurse besuchen auf die du gerade Lust hast. Sprich, es ist egal, wie viele und welche Kurse du belegst! 🙂

Karneval in Köln

Der Kölner Karneval ist wohl eines der größten und bekanntesten Karnevalsfeste weltweit. Bereits am 11.11. um 11.11 Uhr drehen alle vollkommen durch. In der U-Bahn fällst du auf, wenn du nicht verkleidet bist und bei 80% der Partys, die ab diesem Zeitpunkt stattfinden, herrscht Verkleidungspflicht.

Die Uni

Das Gebäude der Hochschule ist schlicht und einfach ein Betonklotz. Bis auf einige Kurse spielt sich alles in diesem Hauptgebäude ab. Zusätzlich gibt es noch eine weitere Übemöglichkeit für Jazzstudenten mit zwei Bandräumen, fünf Minuten von der Hochschule entfernt.

Übezimmer
Ein Blick ins Übezimmer

Übehaus

Im Übehaus, welches direkt mit dem Hauptgebäude verbunden ist, stehen 39 Übezellen von 8.00 bis 22.00 Uhr (außer Sonntag nur bis 20.00 Uhr) zur Verfügung, die über ein Onlinesystem fünf Tage im Voraus gebucht werden können. Jeder Studierende bekommt am Beginn des Monats ein Kontingent von 60 Stunden.

Es gibt zwei Zimmertypen im Übehaus: Ein großes Zimmer mit Flügel und ein kleines mit Pianino (die Qualität der Instrumente lässt manchmal zu wünschen übrig – außerdem gibt es noch Orgel und Schlagzeugräume). Generell sind die Überräume unter der Woche sehr ausgebucht, dennoch findet man hin und wieder auch ohne Anmeldung ein freies Zimmer. Von Freitag bis Sonntag ist es kein Problem, einen Überaum zu bekommen.

Mensa

Die Mensa ist im Vergleich zu österreichischen Verhältnissen sehr günstig. Das Menü kostet insgesamt 2,40 € und beinhaltet die Hauptspeise (2x Fleisch, 1xVegetarisch) + 3 Beilagen. Zu den Beilagen zählen auch Salate, Suppe und Nachspeise. Es schmeckt natürlich nicht wie im Gasthaus, aber ich finde es wirklich voll ok. Sogar Männlein wird von der Portion reichlich satt. Gezahlt wird über die Studentenkarte.

Mensa
Die Mensa der Hochschule für Musik und Tanz Köln

Konzertsaal

Die Hochschule verfügt über einen großen Konzertsaal mit 800 Plätzen. Hier finden wöchentlich mehrere öffentliche Konzerte statt, die für Studierende der Hochschule kostenlos sind.

Ausflugstipps

Jeder Studierende bekommt ein NRW Ticket, welches für den ganzen Nordreinwestfalen Raum gültig ist. Sprich, es ist möglich, Regionalzüge und S-Bahnen im ganzen Bundesland zu nutzen. Hier einige Ausflugstipps:

  • Aachen (der Aachener Dom ist Pflicht)
  • Wuppertal
  • Düsseldorf

Außerdem gibt es extrem günstige Flug- und Bustickets. So habe ich für die Strecke Köln/Amsterdam 19€, für den Flug Köln/Berlin 25€ und für den Flug Köln/Kasprun 15 € bezahlt 🙂

Computerraum/Kopieren/Bibliothek

Eines der größten Mankos an der Uni ist meiner Meinung nach die Computernutzung und Kopiermöglichkeit. Es stehen insgesamt vier Computer in der Bibliothek zur Verfügung und weitere sechs in der Aula, wobei Letztere nur für schnelle Sucheingaben geeignet sind.

Nur einer dieser zehn Rechner ist mit einem Drucker verbunden. Ich musste, um Leadsheets auszudrucken, immer in den Copyshop gehen, da der Rechner meistens besetzt war. Der Copyshop befindet sich aber gleich nebenan und kostet pro Kopie 10 Cent.

Die zwei Kopierer haben zwar einen USB-Anschluss, diese haben jedoch das ganze Semester nicht funktioniert.

Hochschule Köln
Ein Gruß zum Abschied 🙂

Zum Ende hin ist das Heimkehren wohl das größte Problem für mich. Ich habe in diesem Semester unglaublich liebenswerte Menschen kennengelernt, habe mich von der ersten Sekunde in der Stadt wohlgefühlt und an der Hochschule extrem viel gelernt. Erfahrungen und Erlebnisse die ich keinesfalls missen will.

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