Mi casa es tu casa!

Erasmus-Aufenthalt am Real Conservatorio Superior de Musica “Victoria Eugenia” in Granada, Spanien

Beginnen wir am Ende – nämlich mit der Verabschiedung durch Frau Celia Ruiz Bernal, Direktorin des Conservatorio. Angesichts marginaler Fremdsprachenkenntnisse (sie konnte kaum Englisch, ich kaum Spanisch) kommunizierte sie mit Händen und Füßen mit mir, um mir die Begeisterung der Studierenden über die absolvierte Masterclass zu verdeutlichen und mir zu meinem Klavierabend zu gratulieren, und dabei freudestrahlend ausrief: “Mi casa es tu casa!”

Real Conservatorio Superior
Portal des Real Conservatorio Superior de Musica “Victoria Eugenia” in Granada, Spanien

Dafür reichten meine dürftig vorhandenen Spanisch-Kenntnisse dann doch aus, und ich freute mich sehr über diese herzliche Sympathie-Bekundung, die ich mit Freuden erwidern konnte. Denn ich hatte soeben einen erfüllten Erasmus-Aufenthalt in Granada absolviert und machte mich zugegebenermaßen erschöpft, aber zufrieden wieder auf die Heimreise nach Wien.

Innenhof
Innenhof des Conservatorio

Dem vorangegangen waren vier arbeitsreiche Tage in dem charismatischen, aber etwas baufälligen und hellhörigen Gebäude in der Calle San Jerónimo unweit der Cathedrale von Granada und der Alcaiceria, des orientalischen Basars.

Ich hatte das Vergnügen, mit insgesamt acht ambitionierten, jungen PianistInnen zu arbeiten, die unter anderem an ihren Programmen für diverse Abschluss- bzw. Kontrollprüfungen im Juni arbeiten wollten.

Den Unterricht hielt ich auf Englisch ab, manchmal half auch das eine oder andere französische Wort, wenn mein Vokabular oder das der Studierenden an seine Grenzen stieß. Nicht zu unterschätzen war der Anteil an körpersprachlicher und non-verbaler Kommunikation, denn die Englischkenntnisse meiner Studierenden waren sehr unterschiedlich – doch die universelle Sprache der Musik war hier mindestens ebenso hilfreich wie Worte.

Granada
Granada – Blick auf die Stadt vom Hügel der Alhambra

Zum Teil erkannte ich freudig das eine oder andere Gesicht von Studierenden des vergangenen Studienjahres, war dies doch bereits mein zweiter Aufenthalt am Conservatorio in Granada. Manche Studierende hatten sich wieder zur Masterclass angemeldet, was auch zu besonderen Zusammentreffen führte:

So arbeitete ich etwa mit einem Studenten, dem ich gleich zu Beginn der Masterclass die  Rückmeldung gab, dass er eine gute, natürliche Sitzposition am Klavier habe – worauf er freudestrahlend meinte, dass er genau das letztes Jahr in meiner Masterclass gelernt hätte. Er bat mich ein Foto zu machen, aus dem man seine Begeisterung wohl herauslesen kann. Auch heute muss ich noch über die im Foto eingefangene Begeisterung des jungen Mannes schmunzeln.

Begeisterte Studierende
Begeisterte Studierende – das beste Feedback für uns Lehrende!

Am dritten Tag nahm ich als Vortragende an einem Symposium teil, das gemeinsam vom Musikkonservatorium und der Universität von Granada veranstaltet wurde (V Simposio Internacional de Educación Musical – Buenas Prácticas en Educación Musical). Dort referierte ich über das von mir mitkonzipierte Musikvermittlungsprogramm am Arnold Schönberg Center in Wien, das ich dort im Team seit mehr als zehn Jahren durchführe. Im Fokus standen die darin angewandten methodischen Vermittlungsansätze.

Das Publikum – bestehend aus Lehrenden, Studierenden und Forschenden sang in praktischen Arbeitsphasen u.a. begeistert eine Schönberg’sche Zwölftonreihe, übte sich in einer Bodypercussion über die Zahl 12 und war in der folgenden Diskussion sehr interessiert am Stellenwert der Musik im österreichischen Schulsystem, zumal in Spanien der Musikunterricht im Regelschulwesen nur mehr fakultativ ist.

Gruppenfoto Soloabend
Gruppenfoto am Ende meines Soloabends

Am letzten Tag gab es noch eine kuriose Episode, als ich nach der Generalprobe im Konzertsaal eingesperrt war und erst nach anhaltendem Klopfen und Rufen von Studierenden befreit wurde. Eine der eifrigen spanischen Hausmeisterinnen des Conservatorio hatte es wohl zu gut gemeint und den Saal abgeschlossen. Am Abend spielte ich ein Solo-Recital mit Werken von Staud, Schönberg, Kurtág und Messiaen – Komponisten und Klangwelten, die für das Publikum durchaus neu waren und großes Interesse und interessierte Fragen auslösten.

Abschiedsfoto
Abschiedsfoto mit Irene Lorite Rascón im Innenhof des Conservatorio Superior de Musicá “Victoria Eugenia”

Ein großer Dank gilt last but not least der engagierten Erasmus-Beauftragten des Conservatorio, Irene Lorite Rascón, die einen reibungslosen Aufenthalt ermöglichte, meinen englischen Vortrag dolmetschte und auch für die eine oder andere kulinarische Entdeckung während des Aufenthalts verantwortlich war.

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