315 Jahre St. Petersburg

Ein Konzert in der schönsten Stadt Russlands

Im Zuge der Lehrveranstaltung “Slawische Gesangsliteratur” bei Frau Mag.a Elena Larina, durften wir, das sind Jerica Steklasa (Slowenien), Mila Janevska (Mazedonien), Alexander Aigner (Deutschland), Elena Larina (Russland) und meine Wenigkeit, Helene Feldbauer (Österreich) auf Einladung der österreichischen Botschaft in Moskau ein Konzert in St. Petersburg geben und gleichzeitig ein paar Tage in das russische Leben eintauchen.

Am Freitag, dem 25. Mai 2018, ging es in aller Frühe zum Flughafen, wo uns strenge Passkontrollen erwarteten. Am Tag zuvor sangen wir noch einmal unser russisches Repertoire am russischen Kulturinstitut Wien und wurden herzlichst mit Applaus belohnt. Ein gutes Omen für unsere Reise. Als Nichtrussin ist man ja besonders bemüht, möglichst akzentfrei zu singen oder gewisse Wörter überhaupt aussprechen zu können.

Vor der Abreise
Vor der Abreise
Abflug
Abflug aus Wien

Vor der Abreise nutzte noch jeder einmal die letzten Minuten freiem Internets und WiFi, um die endgültigen Updates, Verabschiedungen, Checks etc. zu machen. Man ist zwar nicht aus der Welt, aber im Zeitalter von Instagram, Facebook – weiß der Herrgott, was es noch alles gibt – hat man sich mitzuteilen.

Bepackt mit Frühlingskleidung und Regenschirm in der Hand – in Wien schüttete es wie aus Kübeln – begrüßte uns in Russland strahlender Sonnenschein und Temperaturen von etwa 24 Grad. Laut unserer Pianistin und Reiseführerin Elena Larina (gebürtige Russin), ist zu dieser Zeit Frühling in St. Petersburg, was auch den blühenden Flieder an jeder Ecke erklärte. In den nächsten Tagen sollte uns jedoch aufgrund der eher untypisch hohen Temperaturen noch öfters sehr warm werden und uns den Schweiß auf die Stirn treiben.

Nach einer interessanten Bus-, anschließenden U-Bahn-Fahrt und einem kurzen Fußweg betraten wir schließlich unser riesiges “blitzeblankes” Apartment. Eine nette, große Dame von stämmigem Körperbau führte uns in die Sitten des Hauses ein und gab uns Veranstaltungsratschläge. An diesem Wochenende feierte die Stadt ihren 315. Geburtstag. An jeder Ecke wurde musiziert, Artisten und Maskottchen sowie Verkaufsstände zierten sämtliche Plätze, Gassen und Gehwege. In den nächsten Tagen konnten wir noch von einigen dieser Angebote profitieren.

Spaziergang
Vor dem Sterbehaus von A. S. Puschkin

Ausgepackt ging es dann endlich zu unserem ersehnten Mittagessen um etwa 18 Uhr. Die Anreise hat länger gedauert als gedacht und wir waren am Verhungern. Elena führte uns in ein Restaurant mit traditioneller russischer Küche. Es befand sich, wie sehr viele Lokale, im ersten Untergeschoss. Man geht von der Straße aus einige Stufen nach unten, wo sich einem oft große Räumlichkeiten offenbaren. Dieses Restaurant war wie ein russisches Ferienhaus дача (Datscha) eingerichtet. Wir konnten viele alte Möbel, Schier, einen Fernseher, Radio und vieles mehr aus der Sowjetunion und typische Filme jener Tage bestaunen.

Später passierten wir das Sterbehaus des wohl berühmtesten Schriftstellers Russlands, A. S. Puschkin, die überwältigende Eremitage, ihr Palastplatz mit der davor aufgebauten Bühne für das 315-Jahresfeier-Konzert, und all die riesigen Gebäude herum. Alles schien wie aus einer anderen Zeit. Mächtig und prunkvoll. Ein Spaziergang entlang am Fluss im romantischen Licht der “Weißen Nächte” (siehe unten) bildete den perfekten Abschluss des Tages.

Weisse Naechte

Tag des Konzerts

Samstag. Nach einem herrlichen Frühstück in einem abstrus versteckten Café machten wir uns anschließend auf den wilden Weg zu unserem Konzert. Viele Absperrungen aufgrund des Stadtfests und der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft, ließen den Busfahrer im Labyrinth alles andere als sanft lenken. Auf der Fahrt dorthin konnten wir aber viele schöne Monumente erblicken. Im prunkvollen Haus des berühmtesten russischen Bassisten, Fjodor Iwanowitsch Schaljapin, und nach einer informativen Führung, durften wir mit unserem Gesang den Konzertsaal mit Musik füllen:

Jerica & Alex:

Mila & Elena:

Helene & Elena:

Es war ein großartiges Erlebnis, in den Räumlichkeiten eines so bedeutenden Musikers singen zu dürfen. Die Atmosphäre war eine ganz besondere. Der Tag endete mit dem Konzert vor der Ermitage, wo russische Weltstars wie Alagnia und Alexander Kurzak sangen und die Zuhörer zum Dahinschmelzen brachten.

Fjodor Iwanowitsch Schaljapin
Im Haus des berühmtesten russischen Bassisten, Fjodor Iwanowitsch Schaljapin

Beim Konzert

Sonntag, Montag. Die nächsten zwei Tage gab es noch viel Sightseeing. St. Petersburg ist eine riesige Stadt und bis man ein Haus umkreist hat, braucht man eine gefühlte halbe Stunde. Dennoch haben wir die meisten Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Im Schnitt 12 km/Tag. Wir kamen auch in den Genuss eines Feuerwerks und Musik an jeder Straßenecke zur Feier des 315. Geburtstag der Stadt.

Im Haus von Nicolai Rimski-Korsakow konnten wir durch eine Führung in das Leben dieses kaffeeliebenden Komponisten eintauchen. Auf dem Originalklavier in seinem Wohnzimmer, wo zu seiner Zeit Konzert- und Opernabende stattfanden, durfte Elena zwei unserer Sängerinnen begleiten. Natürlich wurde Korsakow gesungen. Durch die Führung erfuhren wir, dass der Komponist ein Synästhet war. Es gibt Schriften, in denen er die genaue Farbempfindung für manche Töne und Werke beschreibt. In einem Experimentierraum konnten wir sehen, welche Farben er bei manchen seiner Stücke empfand.

Sheherazade
Korsakows Farbempfindung zur “Sheherazade”

Dieses Foto zeigt eine etwaige Farbempfindung zur “Sheherazade” aus der Oper “Christmas Eve”. Hört doch mal rein! Wir versuchten uns auch an einem Klavier, das uns die Farbempfindungen anzeigte und am Dirigierpult. Eine Anekdote war, dass Nicolai Rimski-Korsakow Gott jeden Tag für das himmlische Getränk Kaffee dankte, das er in liebevoller Zeremonie mehrmals täglich zubereitete.

Eine Schifffahrt durch die Kanäle von St. Petersburg, ein Museumsbesuch, die Besichtigung der atemberaubenden Mosaiken der Bluterlöser-Kirche und vieles mehr ließen uns aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen.

Am letzten Tag vor der Abreise gab unsere Reiseleiterin einen Meisterkurs am Rimski-Korsakow-Konservatorium, während wir die Besichtigungen fortführten.

Meisterkurs
Meisterkurs am Rimski-Korsakow-Konservatorium mit Elena Larina und Maria Lyudko (rechts)

Laut Spielplan hätte es in der Zeit unseres Aufenthaltes keine für uns interessanten Darbietungen am Marinskii-Theater geben sollen, aber das Schicksal meinte es gut mit uns. Kurzerhand änderte der weltweit bekannte Dirigent und Leiter des Theaters, Valery Gergiev, das Programm. Wir beendeten das Sightseeing und rasten quer durch die Stadt zum Spielort, um dort Elena zu treffen, die schon Karten organisieren konnte.

Es war ein atemberaubender Abend. Wir kamen in den Genuss eine Aufführung der Ballett-Kompagnie des Marinskii-Theaters zu bestaunen, die von Kennern als die beste der Welt bezeichnet wird. “Raimonda” vom russischen Komponisten Alexander Konstantinowitsch Glasunow gab unserem Aufenthalt die perfekte Vollendung, denn schon am nächsten Tag sollte das Taxi um 6.30 Uhr vor der Tür stehen, uns zum Flughafen bringen und die Heimreise einleiten.

Museumsbesuch
Museumsbesuch

 

Zum Schluss noch Brauchbares für Reiselustige:

Fakten über St. Petersburg

St. Petersburg liegt im Nordwesten des Landes an der Mündung der Newa in die Newabucht am Ostende des Finnischen Meerbusens und ist die nördlichste Millionenstadt der Welt. Die Stadt wurde 1703 von Peter dem Großen auf Sumpfgelände nahe dem Meer gegründet, um den Anspruch Russlands auf Zugang zur Ostsee durchzusetzen. Die historische Innenstadt mit 2.300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern ist seit 1991 Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Stadt wurde auf drei Inseln erbaut und viele Kanäle durch die Stadt laden zur einer Bootsfahrt ein. Die Stadt ist sehr sauber und gepflegt. Alle Gebäude sind in sehr gutem Zustand und auf das charakteristische Stadtbild wird geachtet. Neue Häuser entstehen nach dem Vorbild alter Gebäude im klassizistischen und barocken Stil. Ein paar wenige Ausnahmen gibt es natürlich dennoch.

Auffallend sind auch die vielen schweren Autos, Kleiderhäuser ohne Käufer (zu teuer für russische Normalverdiener), günstige Apotheken (alles rezeptfrei, teilweise 24 Stunden geöffnet), Mangel an Postämtern, aber für uns sehr günstige Lokalen und Lebensmittelgeschäfte, die ebenso 24 Stunden und sieben Tage die Woche geöffnet sind.

Öffis

Russische Souvenirs

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind für uns Europäer sehr, sehr günstig. 40 Rubel (= ca. 0,54 Euro) kostet eine Bus- oder U-Bahn-Fahrt, egal wie weit man fährt. Jedoch muss man für größere Koffer, nach Augenmaß der Ticketverkäufer, einen zweiten Fahrschein kaufen. Dies kam unserer Mila und ihrem Gepäck zu gute.

Die U-Bahnen fahren in einem rasenden Tempo weite Strecken. Sie sehen auch anders aus. Auffälligkeit: Die Leute sind nicht so sehr in ihre Mobiltelefone versunken wie hierzulande.

Wasser

Die Wasserleitungen sind laut unserer Reiseführerin so alt wie die Stadt selbst. Gefühlte 300 Jahre, aber eigentlich zwischen 70 und 90. “Solange keine Epidemie ausbricht, werden diese auch nicht erneuert.” Das bringt mit sich, dass Trinkwasser aus Plastikflaschen getrunken werden muss.

Essen

Bluterloeser-Kirche
Die atemberaubenden Mosaiken der Bluterlöser-Kirche

Das Essen ist ebenfalls sehr, sehr günstig. An jeder Ecke gibt es einen Supermarkt und auch in den Restaurants und Cafés lässt es sich günstig speisen. Die Portionen sind ausreichend groß und jeder Tag war für uns ein neues Geschmackserlebnis. Perfekt gewürzt. Fantastique.

Neben Fischsuppe, Borschtsch (Rote-Rübe-Suppe mit Kren und Fleisch), Oliviersalat, Blinis (Palatschinken auf Russisch), Piroschki (gefüllte Teigtaschen), köstliche Fleischspeisen (Boef Stroganoff), die man probiert haben muss, gibt es außerdem fantastische Süßigkeiten (Napoleon, Kartoschka, Honigkuchen Medownik), die beim Nachmittagskaffee nicht fehlen dürfen.

Typische Getränke: “Kвac” (Kwas), gegorenes Getränk aus Hopfen, Malz und Brot. An heißen Tagen wird aus dieser Flüssigkeit auch eine kalte Suppe mit Fleischstückchen, Gurken, Radieschen, gekochtem Ei und Gewürzen zubereitet. Laut unserem Alex, der sich getraut hat, “sehr interessant”. Ein weiteres Unikum ist “Mopc” (Mors), das kompottartig ist.

Nicht nur kulturell, sondern schon allein zum Schlemmen lohnt es sich also, einmal nach St. Petersburg zu reisen!

Architektur – Sehenswürdigkeiten

Sightseeing
Sightseeing

St. Petersburg ist reich an Monumenten, Plätzen, wunderschönen Kirchen und besitzt zudem eines der größten und schönsten Museen (3 Millionen Objekte), die Eremitage.

Die Alexandersäule, die den riesigen Palastplatz vor der Eremitage ziert (ehemaliges Winterschloss der Zaren), besteht nur aus einem einzigen Marmorblock und ist nicht fixiert. Zwei Weltkriege, Erdbeben und Revolutionen konnten sie nicht zu Fall bringen.

Weiße Nächte

Während unseres Aufenthalts kamen wir in den Genuss der weißen Nächte. Das Licht ist am Abend magisch und lässt sich kaum in Fotos fangen. Man muss es schon erlebt haben.

Ende Mai bis Mitte Juli geht die Sonne in St. Petersburg nie ganz unter, so dass es auch nachts hell bleibt. Der Tag hat durchschnittlich 19 Stunden und die längste Weiße Nacht fällt auf den 21. und 22. Juni.

Schlussworte

Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir seitens der mdw erhalten haben und werden viele schöne Momente in Erinnerung behalten!

Auch darf die umfangreiche Organisation unserer Leiterin, Elena Larina, nicht unerwähnt bleiben. Sie hat uns die schönsten Plätze in St. Petersburg gezeigt und uns mit ihrem Wissen über Architektur und Kunst Vieles mitgegeben.

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