Valencia – Eine Stadt der Gegensätze

Das italienische Liederbuch von Hugo Wolf im schönen Valencia

Im Rahmen der ERASMUS+ Lehrendenmobilität unterrichteten Kollegin Megumi Otsuka und ich einige Tage am Conservatorio Superior de Música “Joaquin Rodrigo” de Valencia.

Das Projekt

Mit Hugo Wolf brach eine neue Phase des Liedes an. Wort und Ton bildeten bei Hugo Wolf eine Einheit und zugleich bringt die Komposition die Befreiung von der Bindung an das Wort. Die Gesangsmelodie und der Klavierpart besitzen in Hugo Wolfs Liedern oft völlige Eigenständigkeit. In den einzelnen Kompositionen ist dem Klavier so viel Ausdruckskraft gegeben, dass das Klavier die Singstimme an Bedeutung und Ausdruckskraft bisweilen sogar überflügelt. Die kurzen und mitunter sehr virtuosen Nachspiele sind dann weiterführende Erzählung und Epilog zugleich.

Hugo Wolf
Hugo Wolf

Jedes der Lieder präsentiert eine Welt für sich, einen Mikrokosmos der Leidenschaft und der Liebe. Die Gedichte sind witzig, ironisch, heiter und tragisch. Aber auch streitlustige und versöhnliche Betrachtungen, Gedanken der Hoffnung und der Enttäuschung, Willkommens- und Abschiedsgesten kommen vor und werden von Hugo Wolf vertont.

Zwischen dem Klavierpart und der Gesangstimme entstehen so Zwiegespräche, wo Inhalte und unterschiedliche Stimmungen der Gedichte musikalisch kommentiert werden. So entstand die Idee, das Wort-Ton Verhältnis bei Liedern von Hugo Wolf anhand des italienischen  Liederbuches mit Gesangsstudierenden zu erarbeiten.

Die intensive Beschäftigung mit diesen Liedern ermöglicht den Studierenden, ihre künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern und das für Hugo Wolf so typische Wort-Ton Verhältnis zu vertiefen. Ebenso wird an der deutschen Aussprache und der Diktion sowie der Interpretation, die diese kleinen Lied-Miniaturen von SängerInnen fordern, gearbeitet.

Das Conservatorio Superior de Música “Joaquin Rodrigo” de Valencia

Die Einladung nach Valencia kam vom Conservatorio Superior de Música “Joaquin Rodrigo” de Valencia. So reisten Frau Megumi Otsuka (Pianistin und Korrepetitorin an der mdw) und ich vom 6. – 8. Februar 2018 nach Spanien.
Die Schule ist ein spannendes modernes Gebäude gleich in der Nähe der Oper.

Conservatorio Superior de Música "Joaquin Rodrigo" de Valencia
Conservatorio Superior de Música “Joaquin Rodrigo” de Valencia

Unsere Zusammenarbeit mit den Studierenden

Wir wurden von der Leiterin der Gesangsabteilung Frau Gloria Fabuel herzlich empfangen. Am Meisterkurs nahmen zehn Gesangsstudierende (acht Sängerinnen und zwei Sänger) aus dem Bachelor- und Masterstudium und zehn PianistInnen teil.
Die Studierenden hatten gut ausgebildete, schöne Stimmen und zeigten viel Musikalität.

Meisterkurs mit Studierenden
Meisterkurs mit Studierenden

Die Vorbereitung der Studierenden durch die ProfessorInnen war ausgezeichnet.
Einige sangen bereits in Produktionen am örtlichen Opernhaus mit. Am Conservatorium ist im Lehrplan keine eigene Liedklasse vorgesehen. Das Erarbeiten eines Liedrepertoires obliegt den GesangslehrerInnen. Umso mehr freute es uns, dass gerade Hugo Wolf ausgewählt wurde.

Die musikalische Arbeit mit den Studierenden war sehr intensiv und konstruktiv und machte uns allen viel Spaß. Außer Englisch, Italienisch und Spanisch unterhielten wir uns auch mit Händen und Füßen.

Megumi Otsuka
Megumi Otsuka mit Studentin

Frau Megumi Otsuka arbeitete mit PianistInnen im Fach “Klavier und Korrepetition” an der musikalischen Interpretation des Klavierparts der Lieder von Hugo Wolf. Am ersten Abend stimmte ich die Studierenden atmosphärisch mit einer Präsentation in das Leben von Hugo Wolf ein. Fotos von seiner Familie, den Mentoren, dem Arbeitszimmer in Perchtoldsdorf und Döbling bei Wien gaben Einblick in sein künstlerisches Schaffen.

Präsentation über Hugo Wolf
Präsentation über Hugo Wolf

Bei einem guten Glas Rioja und einer Einladung zum Mittagessen von Gloria Fabuel und ihren KollegInnen beendeten wir diese gemeinsamen und intensiven Tage, die für uns in unvergesslicher Erinnerung bleiben werden.

Stradiot und Otsuka
Brigitte Stradiot und Megumi Otsuka

Architektur zwischen Gotik und Santiago Calatrava

In der freien Zeit besuchten wir die Altstadt und die Ciutat de les Arts i les Ciencies, ein großes futuristisch anmutendes Viertel im östlichen Teil des trocken gelegten Flussbettes des Turia. Die “Stadt der Künste und Wissenschaften” setzt sich aus mehreren beeindruckenden Gebäuden zusammen, wie das IMAX-Kino, das Wissenschaftsmuseum, die Multifunktionshalle Agora, die Oper und weitere Gebäude. Fast alle Gebäude wurden vom spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava erbaut, der auch in Valencia geboren ist.

Ciutat de les Arts i les Ciencies
Ciutat de les Arts i les Ciencies
Oper von Valencia
Oper von Valencia

Am Abend ließen wir uns durch eine spannende Vorstellung von Benjamin Brittens “Peter Grimes” verwöhnen. Innen wie außen war die Oper mit den für die Gegend typisch weißen und blauen Keramikmosaiken geschmückt.

Oper Valencia
Oper Valencia – Eingang und Foyer

Die Altstadt überraschte uns durch zahlreiche historische Gebäude und wunderschöne Plätze.

Placa de l'Ajuntament
Placa de l’Ajuntament
Stadtpalais
Stadtpalais
Torres dels Serrans
Torres dels Serrans (Tor der alten Stadtmauer)

Die Kathedrale ist wie viele spanische Kirchen der heiligen Maria geweiht. Hier kann man Erstaunliches finden wie die ersten Renaissance-Malereien Spaniens sowie Gemälde von Goya.

Kathedrale la Seu
Kathedrale la Seu

Natürlich durfte auch ein Besuch am Strand von Valencia nicht fehlen!

Strand von Valencia
Strand von Valencia

Wer zum ersten Mal die Ljotja (Seidenbörse) sieht, könnte denken, dass es sich um eine Kirche oder Burg handelt.

Seidenbörse
Seidenbörse

Die Seidenbörse wurde von den Kaufleuten Valencias von 1483 – 1498 erbaut. Seit 1996 steht sie als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO, denn so prachtvolle zivile Gotik ist einmalig.

Seidenbörse Innenhof
Seidenbörse Innenhof

Auch der Besuch in einer typischen “Horchateria” durfte nicht fehlen. Die Horchata ist das lokale Getränk. Wer es nicht probiert hat, ist nicht richtig in Valencia gewesen, denn diese nicht-alkoholische Erdmandelmilch gibt es nur dort!

Horchateria
Horchateria

So endete unser Erasmus-Aufenthalt künstlerisch und kulinarisch als ein bleibendes Erlebnis.

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