Wien – Kapstadt und zurück

Entstehung einer fruchtbaren Zusammenarbeit

Begonnen hat alles in Neuberg bei den Kulturtagen: Ich war 24 Jahre künstlerischer Leiter der Seminare bei den Neuberger Kulturtagen. Als ich dort begann, war er schon da: Albie van Schalkwyk, gefragter Pianist, Kammermusiker und Liedbegleiter.

Schmeiser Meisterkurs
Meisterkurs

Er war so begeistert von unserer Art mit Musik umzugehen und zu unterrichten, dass er unsere Seminare nach Bloemfontain in Südafrika einlud. Er war dort Professor und bewegte viel. Die Österreichische Botschaft half mit und das Projekt “Neuberg in Bloemfontain” fand 2007 und 2008 statt.

2009 übersiedelte Prof. van Schalkwyk nach Cape Town, wo er an der University of Cape Town UCT eine Professur für Kammermusik und Klavier innehat. Da die finanziellen Möglichkeiten in Südafrika für Kultur zusehends weniger wurden, willigte ich ein, den Flötenkurs mehr oder weniger aus “Good will” 2010 an der UCT weiterzuführen. Die beiden Flötenprofessorinnen Bridget Rennie-Salonen und Liesl Stoltz (die am Kurs in Bloemfontain teilgenommen hatte), unterstützten diesen Kurs nach Kräften.

Schmeiser Kapstadt
Blick auf Kapstadt

Ich wurde auch für die nächsten Jahre eingeladen. Aus dieser grundsätzlichen Situation wurde 2013 eine offizielle Partnerschaft der beiden Universitäten mit der Möglichkeit, dass StudentInnen kostenlos jeweils für ein Semester oder Studienjahr an die Partneruniversität gehen können. Bisher waren je zwei Studierende an der jeweiligen Partneruniversität. Für das Studienjahr 2018/19 hat sich ein weiterer Student bei mir angemeldet, der sich jetzt um Stipendien bemüht.

Die Masterclasses

Der Stellenwert klassischer “europäischer” Musik in Südafrika ist weit entfernt von unserer Situation in Europa, speziell in Wien. Die Studierenden haben bis auf wenige Ausnahmen nicht sehr gute oder schlechte Instrumente, nur wenige bekommen genügend Unterstützung, um sich ein für unsere Verhältnisse “mittelgutes” Instrument zulegen zu können.

Schmeiser Meisterkurs

Da die Universitäten teure Studiengebühren verlangen, müssen die meisten der Studierenden nebenbei intensiv arbeiten, um sich das Studium überhaupt leisten zu können. Die Studierenden, die auf ein Jahr nach Wien kommen wollen, sind jedenfalls auf private Sponsorings angewiesen, die für das Leben in Österreich von unseren Behörden notwendig erachteten Summen müssen vor Erteilung eines Studienvisums garantiert werden.

Die Arbeit mit den Studierenden

…ist immer spannend. Als von außen kommende Lehrkraft kann ich wesentlich direkter arbeiten, da ich alle Beteiligten für die Dauer des Kurses konzentriert auf Zeit und Ort vorfinde. 7 – 8 Stunden täglich intensives Arbeiten: in der Früh ein “Tutti” mit Ton- und Techniktraining für alle, gefolgt von thematisch definierten Diskussionen über Musik und Stil einerseits und flötenspezifische Themen andererseits.

Schmeiser Meisterkurs

Danach Einzelunterricht, aber immer als Masterclass, offen für Zuhörer. Diese Möglichkeit des Zuhörens wird immer mehr von den in und um Kapstadt lehrenden FlötistInnen wahrgenommen. Nachhaltigkeit ist erhofft und erwartet.

Berg

“Playing with History”

In den Jahren 2014 – 2016 gab es ein Thema für den Kurs: “Playing with History – historically informed performance”, in dessen Zentrum als erstes die historisch und stilistisch profunde Erarbeitung der Musik für Flöte mit und ohne Cembalo von J. S. Bach stand. Auslöser für das aktuelle Projekt war der beiderseitige Wunsch, für das gesonderte Repertoire, das gerade bei den “modernen” Flötisten noch immer mit einigen Unsicherheiten und Missverständnissen behaftet ist, ein entsprechendes Lehrangebot von seiten eines Flötisten ebenso wie von seiten eines Spezialisten historischer Musikpraxis zu liefern. Ein spezielles Lehrangebot für diesen ganzen Themenbereich gibt es in Kapstadt nicht. Prof. Ingomar Rainer hat sich als Spezialist für Aufführungspraxis dankenswerterweise intensiv und effektiv eingebracht.

Schmeiser Lehrende
Prof. Rainer (links) und Prof. Schmeiser (rechts) mit Lehrenden der UCT

Unser Vorhaben wurde in drei Teile aufgegliedert, welche sich jeweils intensiv mit dem Flöten- und kammermusikalischen Repertoire von a) J. S. Bach, b) seinen Söhnen und deren Umfeld, sowie c) mit Mozart und den Wiener Klassikern unter dem Aspekt einer zeitgemäßen Aufführungspraxis und Stilkunde beschäftigen. Dankenswerterweise wurde das Projekt von der mdw hinsichtlich der doch erheblichen Reisekosten großzügig unterstützt.

Schmeiser Gruppe

Ingomar Rainer und ich haben schon in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts in freiwilligen Wochenendseminaren der Klasse Wolfgang Schulz, dessen Assistent ich damals war, gemeinsame Lehrveranstaltungen in ähnlicher Art abgehalten und sind heute mehr denn je überzeugt, dass sich sogenannte “moderne” Instrumentalisten fundiert mit Historischer Musikpraxis auseinanderzusetzen haben. Das positive Feedback vieler unserer ehemaligen, heute selbst erfolgreich im Beruf stehenden Studenten bestärkte uns in dieser Richtung.

Schmeiser Meisterkurs

Zusätzlich ersuchte ich die Verlage Bärenreiter, Henle, Universal und Doblinger um Unterstützung: Dankenswerterweise bekamen wir kostenlos Urtextausgaben des Repertoires, die wir der dortigen Bibliothek und den Lehrern übergaben. Zusätzlich bekamen auch die Studenten Notenmaterial. Bis zu diesem Moment gab es z.B. von den Bach’schen Flötensonaten und den Mozartkonzerten nur Ausgaben vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Im 2. und 3. Jahr von “Playing with History” stand uns Jocelyne Rainer dankenswerterweise zur Seite und erarbeitete Kammermusik für Flöte mit Streichern. Ingomar Rainer hielt zusätzlich spezielle Vorlesungen über Ornamentik, Kadenzen und Generalbassspiel, die auch von Pianisten und Streichern frequentiert wurden.

Uebekonzert

2017 war der Kurs wieder ein “traditioneller” Flötenkurs mit viel mehr Basisarbeit, da ein Generationswechsel bei den Studierenden stattgefunden hatte.

Jedes Jahr gab es ein Konzert zusammen mit den UCT-Lehrenden mit zum Jahresthema passenden Programmen. Als Abschluss fand natürlich auch ein Konzert der Studierenden statt.

Kap gute Hoffnung
Am Kap der guten Hoffnung

Sichtbare Erfolge

Die Sinnhaftigkeit einer langfristigen Zusammenarbeit zeigte sich 2016: Im Finale eines der wichtigsten Wettbewerbe in Südafrika waren drei der vier Flöten-FinalistInnen Studierende der UCT, der 4. Student (aus Stellenbosch) hatte 2008 am Kurs in Bloemfontain sowie als Gast an meinen Kursen an der UCT teilgenommen. Die Siegerin war Tatiana Thaele, die als erste die Möglichkeit des Austauschjahres in meiner Klasse in Wien wahrgenommen hatte.

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