Erasmus-Besuch auf Korfu

An der Ionian University

Mein zweiter Erasmus-Austausch in diesem akademischen Jahr fand in der Zeit vom 23. – 25. Mai 2018 statt und ging nach Kerkyra, Corfu-City. Durch Clio Kontantakou, Erasmus-Studierende im Wintersemester am Institut für Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik sowie Musikphysiologie, war die erste Verbindung gelegt worden: Noch während ihres Aufenthaltes in Wien wurden Reise- und Austausch-Pläne immer konkreter.

Noch einige Wochen vor Abfahrt hatte ich die Möglichkeit, einer Veranstaltung in der einzigartigen griechisch orthodoxen Kirche am Fleischmarkt am 5. Mai beizuwohnen. Clio und zehn weitere Studierende präsentierten unter der Leitung von Dr.in Zoe Dionyssiou Folklore und Tänze aus Griechenland, denen die anwesenden Kinder und Erwachsenen liebend gerne zuhörten und zuschauten. Spiele und Geschichten mit Gesangs- oder Gitarrenbegleitung fesselten sie augenblicklich und in einigen Teilen sangen und spielten die Kinder selber mit.

Auf Einladung von Dr.in Zoe Dionyssiou fuhr ich dann zusammen mit meinem Mann Michael Schnack von der MUK auf die in vieler Hinsicht farbenfrohe Insel Korfu.

Ich war bisher in vielen Ländern unterwegs und habe griechische Säulen als Kopien gesehen, doch hier standen die dorischen Säulen im Original vor mir. Und dazu kommt noch, dass mitten im ältesten Teil der Bauwerke in Kerkyra, nämlich in der alten Burg, die Musikabteilung untergebracht ist.

Tempel im Tageslicht
Tempel im Tageslicht

Korfu ist eine die drittgrößte griechische Insel und liegt in der Adria, also am nordwestlichen Rand des Landes, mit 100.000 Einwohnern. 30.000 davon leben in der Hauptstadt. Die Ionian University ist eine kleine, junge, dynamische Universität, ursprünglich die älteste in Griechenland. Das hängt mit der bewegten Geschichte der Insel zusammen, die lange zu Italien gehörte. Alle scheinen sich auf der Insel heute zu kennen. Wenn wir mit Zoe durch die Straßen gingen, gab es pausenlos Begrüßungen und Hallos.

In acht Stunden im Konzertsaal der ‘Ionian Academy’ erlebten und arbeiteten die Studierenden mit der Dalcroze-Methode in ihren drei Hauptrichtungen:

  • Rhythmik, das Erleben der musikalischen Elemente am eigenen Leibe,
  • Solfège, eine spielerische und effektive Methode der Gehörbildung und
  • Vokal- und Instrumental-Improvisation – aus praktischen Gründen im Ensemble

Klatschen und Gehen

Die zwanzig Studierenden und Lehrenden wirkten sehr engagiert und enthusiastisch. Es gab keinerlei Probleme mit Englisch. Ich hatte u.a. Gelegenheit, über die Anfänge der Rhythmik und Émile Jaques-Dalcroze und seine Methode zu berichten sowie über die Abteilung Musik und Bewegungspädagogik / Rhythmik heute.

Dalcroze-Vortrag

Orpheus im Tempel
Orpheus im Tempel: Paul Hille (links), Zoe Dionyssiou (blaues Kleid) und Studierende

Von Zoe erfuhren wir, dass sie seit zehn Jahren mit großem Erfolg ein Musikerlebnisprogramm für Babys und Kleinkinder entwickelt hat, bei denen Studierende regelmäßig mitarbeiten. Ebenso setzt sie sich mit Musikethnologie auseinander – vornehmlich mit Aspekten der Vermittlung von Folklore des Mittelmeerraums und auch von Tänzen. Die Spiele mit Gesang, wie solche, die wir in der Kirche in Wien erlebt hatten, finden auch Eingang in ihre Lehrtätigkeit. Ich hoffe, dass Frau Dr.in Dionyssiou bald nach Wien kommt und sowohl für die Rhythmik als auch für die Ethnomusikologie / Volksmusik dozieren und so unseren Austausch vertiefen kann!

Am Donnerstag Abend wurde Orpheus und Euridike von Gluck in einem wunderschön restaurierten tempelartigen Gebäude gegeben.

Tempel nach der Vorstellung
Tempel nach der Vorstellung

Orpheus und Euridike? Ein Zufall? Genau diese Oper und ihre Aufführung im Festspielhaus Hellerau bei Dresden bildete den Grundstein für Dalcrozes Ruhm in KünstlerInnen- und MusikpädagogInnen-Kreisen der gesamten Welt.

Hier auf Korfu bestand das gesamte Orchester aus Studierenden; ebenso waren alle SängerInnen des Chores, die drei Solistinnen und die Dirigentin Studierende. Die äußerst präzise und ausdrucksstarke Dirigentin war gerade einmal 21 Jahre alt!

Orfeo ed Euridice
Gluck: Orfeo ed Euridice

Am Samstag war noch ein Urlaubstag eingeschoben und wir wurden von Zoe zum Volksfest in der Stadt eingeladen, wo ihre Studierenden Spiele mit den anwesenden Kindern veranstalteten und jede Menge weitere Aktivitäten stattfanden: von der Marching- über die Rock-Band bis hin zu Diskussionsgruppen und Infoständen.

Michael und ich wanderten zu einem Tisch, der sich als Queer Corfu vorstellte und fragten die jungen Damen und Herren, wie es denn so sei, auf dieser Insel lesbisch bzw. schwul zu sein. Die Antwort war sinngemäß: “People do not turn violent, but you can get really bad and rough comments!” Dabei wirkten die Anwesenden überhaupt nicht einschüchterbar. Hier kann man weitere Informationen über die Zoes Arbeit finden, u.a., dass sie die Vize-Herausgeberin des “Journal Musicpedagogis, the first scientific journal for Music Education in Greece” ist:

Ich möchte mich hier einmal besonders bei Sabine Roth bedanken, die seit Jahren engagiert im Erasmus-Prozess mitarbeitet. Ohne sie wär das alles nicht möglich gewesen!

Zoe Dionyssiou kommt dank Erasmus vom 25. – 28. März 2019 an die mdw und wird u.a. einen Vortrag über frühkindliche Musikerfahrung und Unterrichtsstunden mit griechischer Folklore halten.

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