Freiburg: Mobilität an der Hochschule für Musik

Musiktheorie und Gehörbildung

Wir (unsere Fachgruppe für Musiktheorie) hielten uns vom 3. bis 8. Februar 2019 in Freiburg auf, um uns über die Methodik in den Fachgebieten Musiktheorie und Gehörbildung bei der Hochschule für Musik Freiburg zu informieren. Dort kamen wir im Gasthaus „Schiff“ – dieses wurde bereits im Jahre 1777 erbaut und erst kürzlich vollständig saniert –, unter. Dieses befand sich in unmittelbarer Nähe (fünf Gehminuten) der Musikhochschule.

Daniel Serrano Garcia

Weshalb das Hotel den Namen „Schiff“ erhielt, erfuhren wir bald vor Ort: Angeblich wollte die Hanse an die Stadt Freiburg anknüpfen.

Gleich am Tag nach unserer Ankunft besuchten wir die Musikhochschule. Dessen Gebäude ist nun circa. 30 Jahre alt und verfügt über ein großzügiges Foyer, wo sich Studierende und Lehrende versammeln und unterhalten können. Bereits draußen am Haupteingang der Musikhochschule befindet sich ein beeindruckendes Kunstwerk in Form von verschiedenen Skulpturen. Ebenso zogen die architektonischen Details des Innenraums der Hochschule sogleich unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Haupteingang der Musikhochschule in Freiberg mit Skulpturen
Haupteingang der Musikhochschule mit Skulpturen

Im Rahmen unserer Hospitation hatten wir die Möglichkeit, viele interessante Lehrveranstaltungen zu besuchen. Zuallererst durften wir einem Seminar mit dem Titel „Lecture Recital: Sprechen mit und über Musik“, gehalten von Thomas Wenk, beiwohnen. Der Sinn dieses Seminares, welches ich als „Gesprächskonzert“ in Erinnerung habe, bestand darin, wissenschaftliche Erkenntnisse sowie eine damit zusammenhängende künstlerische Aufführung in einen Kontext zu stellen. Filmmusik, das Cembalokonzert in A–Dur von J. S. Bach, die Klaviersonate in F–Dur von Mozart oder ebenso die Klavieretüden von Ligeti sind nur etliche der Themen, über die wir an jenem Vormittag diskutierten.

Noch an demselben Tag durften wir dem Satzlehreunterricht von Hans Aerts beiwohnen. Dort konnten wir den angewandten Ansatz des Kurses feststellen. Bei diesem Gruppenunterricht (max. sechs Teilnehmer_innen) bekamen die Studierenden sowohl praktische Übungen als auch schriftliche Aufgaben zugeteilt. Als am spannendsten erwies sich aber das von Hans Aerts selbst entworfene Kartenset, mit dessen Hilfe am Klavier Tonsatz intensiv geübt werden kann. Dieses „Kartimento“ bildet ein modernes Werkzeug, wodurch die Technik der Dur–Moll–tonalen Mehrstimmigkeit in einer näher historisch–informierten Weise erworben werden kann. Diesem liegt die sogenannte „Oktavregel“ (Regola de la Ottava) zugrunde, die ab dem 18. bis hinein ins 19. Jahrhundert die Basis für die Harmonisierung unbezifferter Basslinien darstellte.

Kartenspiel "Kartimento"
Kartenspiel “Kartimento” über Dur-Moll-tonale Mehrstimmigkeit

An den übrigen Tagen begeisterte uns ebenfalls der Gehörbildungsunterricht bei Konrad Georgi, die Lehrveranstaltung  “Contrappunto alla mente” (improvisierter kontrapunktischer Gesang der Renaissance) bei Moritz Heffter sowie der Unterricht für Musiktheorie und Analyse bei Felix Diergarten, bei denen wir stets den historisch–informierten Ansatz im Unterricht feststellen konnten.

Zuweilen begaben wir uns auch ins nahe Einkaufszentrum „Oberwiehre“, wo sich das orientalische Restaurant „Babylon“ befand – hier gab es besonders leckere Speisen. Über die berühmten Klassiker wie etwa Döner und Yufka hinaus gab es außerdem ein reiches Gemüse–Angebot. Das Restaurant wird ebenso von etlichen Lehrenden der Musikhochschule besucht, mit denen wir spannende Gespräche führen konnten.

Ebenso hatten wir ab und zu die Möglichkeit, verschiedene Ausflüge zu unternehmen, wie zum Beispiel ins Stadtzentrum. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir den „Old English Store“, dessen Schaufenster uns sogleich faszinierte.

"Old English Store"-Schaufenster
Schaufenster des “Old English Store”

Dieses sehr originelle „englische“ Geschäft war als Geschenkladen konzipiert, wo man u. a. diverse Körperpflegeprodukte, Düfte, Porzellan– und Keramikstücke, wie auch Foodprodukte, Textilien, Wohnaccessoires und Bücher, finden konnte.

Nachdem wir den Laden verlassen hatten, gingen wir Richtung Stadtzentrum, wo wir dem „Freiburger Münster“ begegneten, wobei es sich um eine wunderschöne, imposante Kathedrale im gotischen Stil, handelte – es ertönte sogleich Orgelmusik.

Münster in Freiberg-Innenansicht
Im Münster von Freiberg

Nach unserem kulturellen Besuch im Stadtzentrum entschieden wir uns dafür, in einem der diversen Restaurants zu essen, nämlich im sogenannten „La Cicogna“. Dieses befand sich im „Gasthaus zum Storchen“ und verfügte über ein breites Spektrum an italienischen kulinarischen Spezialitäten. Während des Abendessens wurde angeregt über die Regola de la Ottava diskutiert.

Den Höhepunkt unserer Reise bildete aber unser Gespräch mit dem Rektor der Freiburger Musikhochschule Ludwig Holtmeier, der uns am Donnerstag um 11 Uhr in seinem Büro empfing. Er sprach mit enormer Begeisterung über die Ziele und Herausforderungen der Musikhochschule, an welcher nicht nur exzellente Instrumentalist_innen, Lehrer-Innen, Komponist_innen oder Musiktheoretiker_innen ausgebildet werden sollten, sondern auch ausgezeichnete Musiker_innen mit einem breitgefächerten musikalischen Allgemeinwissen. Er betonte ausdrücklich die Rolle der Improvisation in der Ausbildung.

Donnerstagnachts stand der Abschied an, denn wir hatten am nächsten Tag unsere Abfahrt geplant. In den vergangenen Tagen lernten wir unterschiedliche pädagogische Ansätze kennen und nahmen viele wertvolle Ideen von Freiburg nach Wien mit, die wir in unserem Unterricht erfolgreich zur Anwendung bringen konnten.

Altstadt von Freiberg aus der Vogelperspektive
Altstadt von Freiberg

Die Musikhochschule Freiburg ist nach unserer Sicht zweifellos eine der besten Institutionen, um sich auf historisch–informierte Weise den musiktheoretischen Fächern zu widmen.

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