Italien – das Land der Dichter Tommaseo, Tigri und Dalmedico

Das “Italienische Liederbuch” von Hugo Wolf in Neapel und Parma

Das Programm der Erasmus+ Lehrendenmobilität mit dem Projekt “Italienisches Liederbuch von Hugo Wolf” führten Frau Megumi Otsuka (Pianistin und Korrepetitorin an der mdw) und mich im November 2018 an das Conservatorio San Pietro a Majella de Neapel und an das Conservatorio Arrigo Boito-Parma – eine Reise in das Land der Originaldichter des italienischen Liederbuches wie Tommaseo, Tigri, Dalmedico u.a.

1860 übersetzte Paul Heyse diese typisch italienischen Volks- und Liebesgedichte in die deutsche Sprache. Fasziniert von den Gedichten komponierte Hugo Wolf zwischen dem 25. September 1890 und dem 23. Dezember 1891 den ersten Teil, und zwischen dem 25. März bis 30. April 1896 den zweiten Teil seines Italienischen Liederbuches.

Conservatorio San Pietro a Majella di Napoli, 22. bis 26. November 2018

Man hat den Eindruck, Neapel schläft nie. Das bunte Leben und Treiben auf den Straßen dauert rund um die Uhr. Eine doch eher ruhige Stadt wie Wien gewohnt, war es ein besonderes Erlebnis sich auf diesen Lebensrhythmus einzustellen. Faszinierend der Autoverkehr, ein lautes Chaos von Straßenlärm! Hier kommuniziert man eben mit der Autohupe!

Innenhof
Ein Blick in den Innenhof mit der Beethoven- Statue des Bildhauers Francesco Jerace

San Pietro a Majella ist eines der traditionsreichsten musikalischen Konservatorien und Ausbildungsstätten der Welt. Die vier berühmten Konservatorien der Stadt, “Santa Maria di Loreto”, “Pietà dei Turchini”, “Sant’Onofrio a Capuana” und “Poveri di Gesù Cristodie”, die bereits im 16. Jahrhundert gegründet wurden, waren die Ausgangssituation. Ursprünglich als Waisenhäuser erbaut, wurden sie im 17. und 18. Jahrhundert als musikalische Ausbildungsstätten so berühmt, dass sie später zum Vorbild für weitere Konservatorien wurden. Sie trugen auch zur Entwicklung der Neapolitanischen Schule, einer eigenen Opern-Stilrichtung im 18. Jahrhundert, bei.

Eingangstür des Conservatorio
Die geschlossene Eingangstür des Conservatorio

Die ganze Innenstadt ist mit Graffiti bemalt, so bekam die Eingangstür vom Conservatorio einen Hauch von Streetart eines Keith Haring. 1808 als Real Collegio di Musica in seiner heutigen Form neu gegründet, bekam die Institution unter König Francesco I. als Reale Conservatorio di Musica di San Pietro a Majella seinen heutigen Sitz im ehemaligen Konvent, neben der namensgebenden Kirche von San Pietro a Majella.

Der erste Direktor war Giovanni Paisiello. Weitere Direktoren folgten Niccolò Antonio Zingarelli, Saverio Mercadante, Alessandro Longo u.a. Unter den Lehrern und Schülern finden wir den berühmten Gaetano Donizetti (Lehrer), Vincenzo Bellini (Schüler), Francesco Paolo Tosti (Schüler) und Riccardo Muti (Schüler).

Bibliothek
Bibliothek
Bibliothek
Bibliothek

Vom 22. bis 26. November 2018 arbeiteten Megumi und ich mit 26 Studierenden (Sänger_innen und Pianist_innen) an der Aussprache, der Interpretation, der Stilistik und der Liedbegleitung des Italienischen Liederbuches.

Das Conservatorio hat eine große Opern- und Kammermusiktradition. Die Studierenden zeigten viel Engagement, sich in das Liedschaffen und die Stilistik von Hugo Wolf einzuarbeiten. Mit ihren herrlichen Stimmen hatten alle eine große Freude daran, nicht nur “große Oper” zu singen, sondern sich in eine “Mininaturoper von zwei Seiten” eines Hugo Wolf Liedes einzufühlen.

Es war eine ausgesprochen herzliche und fröhliche Stimmung. Beim Abschlusskonzert waren alle über den Erfolg dieser intensiven Arbeitswoche glücklich.

Abschlusskonzert
Abschlusskonzert

Die Lebensfreude, Herzlichkeit und Gastfreundschaft dieser Stadt und der Menschen nehmen die Besucher_innen vom ersten Augenblick an gefangen. Diese historisch, kulturell und kulinarisch wunderbare Stadt lädt zu einem Wiedersehen ein!

Neapel
Vedere Napoli poi morire!!!

Conservatorio Statale di Musica Arrigo Boito-Parma, 3. bis 7. Dezember 2018

Vom Süden Italiens ging es in die Region Emilia Romagna nach Parma.

Conservatorio
Conservatorio Statale di Musica

Im Jahre 1825 wurde die herzogliche Singschule gegründet, die von Marie Louise von Habsburg- Lothringen initiiert wurde. Auf Empfehlung Giuseppe Verdis übernahm Giovanni Bottezyni die Leitung. Nach seinem Tod leitete Arrigo Boito die Institution, die seit 1919 seinen Namen trägt. Ein berühmter Absolvent war Arturo Toscanini.

Herzlich wurden wir von Frau Professorin Reiko Sanada und den Studierenden empfangen. Es war eine sehr intensive und kreative Arbeit mit den 28 Sänger_innen und 24 Pianist_innen.

Innenhof

Ein Großteil der Sänger_innen kam aus dem asiatischen Raum. Für sie war die deutsche Aussprache eine besondere Herausforderung, die sie hervorragend meisterten. Die Zeit verflog im Nu, und die Woche endete mit einem gelungenen Konzert im schönen Konzertsaal des Conservatorio, dem umgebauten ehemaligen Kirchenraum.

Konzertsaal
Konzertsaal des Conservatorio, dem umgebauten ehemaligen Kirchenraum

Zwischen den Unterrichtseinheiten genossen wir die herrliche Stadt und den wunderbaren Parmaschinken.

Baptisterium San Giovanni
Dom

Das Baptisterium San Giovanni ist ein achteckiger Sakralbau neben dem Dom und zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerken.

Das barocke Hoftheater Teatro Farnese wurde von 1617 bis 1618 nach Plänen von Giovanni Battista Aleotti errichtet und besitzt einen Fassungsraum für ca. 3.000 Personen.

Hoftheater Teatro Farnese
Barockes Hoftheater Teatro Farnese
Parmaschinken
Parmaschinken

Geschäfte mit dem berühmten Parmaschinken lockten zur Verkostung.

Wie schon beim Besuch in Neapel gilt auch hier: Diese historisch, kulturell und kulinarisch wunderbare Stadt lädt zu einem Wiedersehen ein!

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