Magisches Mexiko

Ein Semester in Mexico City

Magisches Mexiko, sagen die Landsleute oft schmunzelnd. Der Slogan, der eigentlich vom Tourismusamt erfunden wurde, wird hier sarkastisch verwendet. Denn das Land bietet einem nicht nur wundervolle, sondern auch höchst skurrile Erfahrungen.

Es fällt mir schwer, meinen Aufenthalt einfach zusammenzufassen. Wenn ich so zurück denke, startet dieses Auslandssemester natürlich mit Erwartungen. Darauf folgt ein längerer Prozess des Ankommens. Ein eigenes Kapitel bildet sicher die Universität. Ein weiteres das Reisen. In diesen Gliederungen werde ich nun auch darüber berichten und versuchen, die Magie Mexikos zumindest annähernd einzufangen.

Mexico City
Mexico City

Erwartungen und (Vor)Sorgen

Ein Auslandssemester muss sein. Das wusste ich schon lange. Ich war schon in der Oberstufe für ein halbes Jahr in den USA. Aber natürlich war mir klar, ein Studienaustausch, das ist nicht dasselbe. Man ist viel mehr auf sich selbst gestellt und die Erfahrungen werden andere sein. Noch dazu wollte ich möglichst weit weg. Dies heißt auch, das man nicht von Erasmus betreut wird und so wie in meinem Fall auch, dass man nicht automatisch eine Gruppe von internationalen Studenten um sich hat.
Ich wusste tatsächlich nicht sehr viel über Mexiko. Nur von den Bemalungen im Gesicht am Tag der Toten hatte ich gehört, mexikanisches Essen sagte mir natürlich etwas (dachte ich zumindest) und dass Mexiko Stadt zu den größten Metropolen der Welt gehört, war mir auch bewusst.

Und dann war da noch die Sache mit der Sprache… Mein Spanisch war äußerst notdürftig, schließlich hatte ich es nie gelernt. Aber ich war mir so siegessicher, dass ich vor der Abfahrt wenig Gedanken in mein Sprachen-Dilemma fließen ließ.

Markt Coyo
Markt Coyo

Die Zusage kam. Und somit auch die konkreten Planungsschritte. Ein Studentenheim gab es in Uninähe nicht und ich hatte auch keine Hoffnung, von Wien aus einen guten Platz zu finden. Deswegen schrieb ich kurzer Hand auf einer mexikanische WG-Website (dadaroom) dreißig Leute an. Mir war etwas unwohl im Magen, schließlich vermutete ich pure Betrügereien. Tja, da war ich wohl doch nicht so von Vorurteilen befreit, wie ich es mir gedacht hatte.

Ich bekam einige nette Antworten und hatte das Glück, dass einer meiner Wiener Uni-Kollegen zur selben Zeit auch in Mexiko studierte. Er sah sich die WG an und gab mir grünes Licht. Ein weiteres Problem sind Anzahlungen und Überweisungen von hier nach dort. Davon würde ich auch bei einem vertrauenswürdigen Wohnungsanbieter abraten. Schon allein wegen der zusätzlichen Bankspesen. Hier hatte ich wohl einfach Glück, denn meine Mitbewohnerin brachte mir einiges an Vertrauen gegenüber.
Noch schnell die Flugtickets gekauft, die Uber-App heruntergeladen und mir einen Stadtplan auf mein Handy gesichert und los ging es.

Das Ankommen und Einleben

Mitten in der Nacht stehe ich am Flughafen in Mexiko Stadt. Schon beim Anflug konnte ich mir durch den schier unendlichen Lichterteppich ein Bild vom Ausmaß der Stadt machen. Im Nachhinein gesehen fand ich meine Ankunft in der Nacht ganz angenehm, so waren die Sinneseindrücke zumindest nicht ganz so überfrachtend. Im sicheren Uber durch die Nacht zu brausen und die Stadt zu betrachtet wurde zu einem regelmäßigen Highlight für mich. Denn nicht nur bei dieser ersten Fahrt durch die Stadt dachte ich mir: “Unglaublich, man kann sich recht einfach in Mexiko verlieben. Unmöglich, sich satt zu sehen.”

Die ersten Tage hatte ich tatsächlich etwas mit meiner Überforderung zu kämpfen. Meine Lunge rebellierte gegen die Höhe, mein Magen gegen das Essen und mein Kopf gegen die Schwierigkeit, mich zu artikulieren. Das Unijahr war schon voll im Gange und ich hatte mich in der Wohnung einzurichten, einen Spanisch-Kurs zu suchen und Leute kennen zu lernen.

Reisen
Malina auf Reisen

Zu meiner Begeisterung war meine Unterkunft tatsächlich sehr angenehm, sicher und in Uninähe. Der Stadtteil, in dem ich wohnte, nennt sich Coyoacan und erscheint mir mehr wie ein Dorf als ein Teil einer Megastadt. Die Nachbarschaft ist bekannt für das Frida Kahlo-Haus, die eindrucksvolle Hauptuni (die, um vieles kleinere Musik-, Theater- und Filmuniversität befindet sich in einem anderen Eck des Viertels) und einen großartigen Lebensmittelmarkt.

Malina
Malina

Mexiko Stadt vermittelt mir jedoch auch gleich einen sehr amerikanisierten Eindruck. Zwischen den kleinen bunten Häusern und den aufgebrochenen Gehsteigen ragen Konzerne aus den USA heraus. Der Einfluss des großen Nachbarn ist zu spüren. Doch gleichzeitig werden an kleinen, fahrenden Marktständen auch Tacos und frisch gepresste Säfte angeboten. In kleinen Boutiquen werden traditionelle Designs auf Neu verkauft und die eine oder andere mexikanische Fahne erzählt vom Nationalstolz. Besonders abends in den Bars erfüllen sich meine Erwartungen schon eher. Es wird Salsa getanzt und dazu laut gesungen – alles mexikanische Oldies natürlich, mit Ausnahme von “Despacito”.

Mir wurde bald klar, ich brauchte bessere Spanischkenntnisse und einen eigenen Rhythmus, um mich schneller zu verankern. Ich entschied mich für einen 6-wöchigen Intensivkurs an der CEPE, der Sprachschule der Hauptuni für Ausländer. Über den Sprachkurs lernte ich auch viele weitere Auslandsstudenten kennen und war bald mit Unternehmungen beschäftigt. Mexiko ist abgesehen davon ein tolles Land, um Spanisch zu lernen. Die Mexikaner sprechen ein sehr neutrales Spanisch und lassen sich Zeit beim Reden.

Mexikanische Mode
Mexikanische Mode

Außerdem meldete ich mich im Fitnesscenter an – etwas das ich in Wien bisher erfolgreich umgangen hatte. Meine Mitbewohnerinnen gingen ebenfalls dorthin und die täglichen Klassen gab mir das Gefühl, mich richtig angesiedelt zu haben.
Ein wichtiger Punkt ist die Zeit. Die läuft nämlich doch anders hier. Sprich, man muss schon etwas spontan sein oder manchmal sehr lange warten. Alle Wege in der Stadt nehmen außerdem viel Zeit in Anspruch.

Die Universität und der Klassenverband

Die sieben Monate, die ich in der Drehbuchklasse der CCC verbrachte, würde ich auf keinen Fall missen wollen. Vier Tage die Woche gab es von 16:00 – 21.00 Uhr Workshops, Vorlesungen und Vorträge. Dabei waren wir immer der selbe Klassenverband von 16 Leuten. So eine kleine Gruppe schweißt auch zusammen. Es brauchte nicht sehr lange, bis mich meine Klassenkollegen ein Teil der Gruppe sein ließen. Es schien ihnen wichtig, mich Mexiko verstehen zu lassen. Ein Land, das ihr Herz mit vollem Stolz und schrecklicher Trauer sowie Wut erfüllt.

Die Klassen wurden alle in Spanisch gehalten. Wobei ich sagen muss, die Lehrer waren sehr angenehm und bemüht, mich zu unterstützen. An der Uni selbst gab es keine Organisation für Austauschstudenten. Schließlich waren wir nur zu viert. Davon habe ich auch lediglich eine weitere Person kennengelernt. Diese anfängliche “Austauschschüler-Einsamkeit” war aber auch von Vorteil. Schließlich profitierte mein Spanisch davon und ich konnte mich schneller in den Klassenverband einfügen. Die Universität ist klein, familiär und schnell verstanden. Ein Bonuspunkt, den ich sehr schätze, denn überfordert war ich mit der Stadt selbst schon genug.

Alle bürokratischen Dinge wurden auch relativ einfach abgehandelt. Somit war auch das Anrechnen in Wien unproblematisch.

Das Reisen und Schlemmen

Ich muss sagen, Mexiko Stadt könnte einen Reisenden sicher über einige Wochen hinweg unterhalten. Schließlich gibt es eine Fülle von Museen, Shows, Clubs, Bars, Restaurants, Läden etc. Und da ist für absolut jeden Geschmack etwas dabei, traue ich mich behaupten.

Reise nach Tulum
Reise nach Tulum

Die Stadt selbst reichte mir auch lange Zeit, muss ich zugeben. Schließlich stellte sich aber doch eine Art schlechtes Gewissen bei mir ein. “Bist du nun endlich herumgereist”, wurde ich von Mexikanern und auch von meiner Familie gefragt. Mexiko ist tatsächlich unglaublich vielfältig.  Schon allein die Dörfer um die Stadt herum sind atemberaubend. Ohne großen Trubel stößt man auf Pyramiden, Wasserfälle und urige Dörfer, als wäre dies das alltäglichste auf der Welt.

Mehrere Reisen führten mich über die Monate auch in den Süden. Das traditionelle Oaxaca mit den Surferstränden ist voller Abenteurer. Das mysteriöse Chiapas bietet Wanderungen durch den tiefsten Urwald. Und das touristische Yucatan kann immer noch mit Traumstränden protzen. Aber Achtung, eine Reise innerhalb Mexikos kann per Bus auch leicht einmal zwölf Stunden oder mehr dauern. Nur wenige Male verschlug es mich in den Norden, der aber nicht minder beeindruckend ist. Wüstengebiete, Gebirgszüge und Wälder erstrecken sich über riesige Gebiete.

Markt
Markt

Zum Reisen in Mexiko gehört natürlich auch das Essen. Richtiges mexikanisches Essen ist doch anders als in Wien im Restaurant. Viel Fleisch und viel Käse sind an der Tagesordnung. Klassiker sind Tacos mit Kürbisblumenfüllung. Fast an jeder Straßenecke kann man Hibiskusblütenwasser oder andere frische Säfte kaufen. Ich habe mir meistens meine Lebensmittel am Markt gekauft oder an Straßenständen gegessen. Auf Dauer war dies für mich ökonomischer und so wurde mir Zuhause auch kein Lebensmittel schlecht. Und zugegebener weise schlemme ich auch gerne.

Ich würde meine Zeit und das Studium in Mexiko auf keinen Fall missen wollen. Es war durchaus manchmal abenteuerlich: Ich konnte zwei Erdbeben miterleben. Ich habe bis zum Schluss meines Aufenthalts immer wieder neue Seiten der Stadt entdeckt. Ich habe nicht nur vieles über neue Kulturen gelernt, sondern auch vor allem viel über mich selbst. Das Zurückkommen ist mir zwar schwer gefallen, aber ich würde trotzdem sagen, ich bin mit neuer Energie und neuer Lust nach Wien zurück ins Studium gekehrt. Somit, auf bald, Mexiko 🙂

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