Hollywood Luft schnuppern

Unser Film “Fucking Drama” bei den BAFTA Student Film Awards

Es ist 07:11 Uhr als mich mein guter Freund und Filmakademie Kollege Michael Podogil mit seinem Anruf aus dem Bett klingelt. Im Halbschlaf hab ich keine Ahnung, warum er schon so früh anruft. “Heute ist der schönste Tag in meinem Leben, Lukas!”, dann erst dämmert es mir: Wir sind mit unserem Film FUCKING DRAMA für die BAFTA Student Film Awards nominiert und nach Los Angeles eingeladen!

BAFTA

Die British Academy of Film and Television Arts hat die insgesamt neun Nominierungen über Nacht bekannt gegeben, drei davon in unserer Kategorie “Live Action”.

Als wir einen Monat zuvor in der Vorauswahl, auf der “Shortlist” (45 Filme aus über 400 Einreichungen) standen, haben wir uns geschmeichelt gefühlt, uns aber keine allzu großen Hoffnungen auf eine Nominierung gemacht. Dann hatten wir über Nacht eine Einladung zur Preisverleihung nach Los Angeles und eine 33 prozentige Chance auf den Gewinn.

Durch die finanzielle Unterstützung von der BAFTA, den Freunden der Filmakademie, der FAMA und der GVL in Deutschland war uns eine Teilnahme mit vier Personen möglich! Der Regisseur Michael Podogil, der Hauptdarsteller Michael Pink, der Editor Sebastian Schreiner und ich, als Produzent.

Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Förderer! Wir alle haben uns sehr gefreut, diese Reise so kurzfristig antreten zu können!

Santa Monica
Santa Monica

Insgesamt waren wir eine Woche dort. Mit unserem Mietwagen konnten wir die wichtigsten Orte abfahren und den LA-Spirit aufsaugen. Da waren trockene Hitze, Staus, Benzingeruch, Autohupen, Helikoptergeräusche und Polizeisirenen, ein wunderschöner Long Beach, das Griffith Observatory mit Blick auf das Hollywood Wahrzeichen und die riesige Großstadt, der Hollywood Boulevard, der glänzende Stadtteil Beverly Hills und vor allem jede Menge Amerikaner. Fast 20 Millionen nämlich.

Michael Podogil
Michael Podogil, Regisseur von “Fucking Drama”

Am Tag der Preisverleihung gab es vormittags Masterclasses für uns Nominierte. Eine Diskussion im familiären Rahmen, zu der u. A. der bodenständige und äußerst sympathische Aaron Ryder eingeladen war, der gleich ein paar Filme produziert hat, die mich wahnsinnig beeindruckt haben: Arrival (2016), Memento (2000) und Prestige (2006).

Am Abend des Vortages gab es ein Get-together in der exklusiven Bar “The London”. Dort konnten wir schon mal mit einem 20$ Weinglas in der Hand Nominierte und BAFTA Mitglieder treffen, networken und Hollywood Luft schnuppern. Von talentierten JungfilmemacherInnen bis zu Helden unserer Kindheit, den Regisseuren von Arielle (1989) und Aladdin (1992) haben wir interessante FilmemacherInnen und Branchenmitglieder auf jeder Karrierestufe kennen gelernt und neue Kontakte knüpfen können. Da die Auswahl der Filme so überschaubar war, konnten wir mit jedem reden und andersrum. Sei es im “The London”, beim Workshop, der Preisverleihung oder dem anschließenden Treffen.

Venice Beach
Venice Beach

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmfestivals standen zum Beginn der Zeremonie die Gewinnerfilme nicht fest; ein sehr spannendes System. Es wurden alle neun Beiträge durchmischt nacheinander gezeigt und alle anwesenden BAFTA Mitglieder waren dazu eingeladen, abzustimmen. So wurden alle Filme auf die Leinwand des wunderschönen, fast sakral anmutenden United Artists Kinos in Downtown LA projiziert. Ein Kino, das von Charlie Chaplin, Mary Pickford, D.W. Griffith und Douglas Fairbanks gebaut wurde. Allein das und dass wir in einer so qualitativ starken Kurzfilmauswahl untergebracht waren, hat mich unendlich gefreut! Unser Film lief mit DeKalb Elementary (Gewinner Grand Jury Price Clermont-Ferrand) und Nocturne in Black (Gewinner Gold Student Academy Award) in der Realfilm Kategorie.

Nach einer 30-minütigen Unterbrechung standen die GewinnerInnen fest.

Wir haben viel Applaus, Lob, Schulterklopfen und teils sehr euphorisches Feedback für unseren Film bekommen. Die Auszeichnung ging zwar an Nocturne in Black, am Ende sind wir aber dennoch mit einem großen Stapel Visitenkarten, einigen Kurz-Urlaubsbildern und einem riesigen Lächeln im Gesicht nach Wien zurückgeflogen.

Für mich war es eine sehr aufregende Zeit und ein ziemlich schönes Gefühl. Mir macht das Filmemachen sowieso Spaß und wenn man damit noch eingeladen wird, interessante Menschen und Orte kennen zu lernen, sogar noch ein bisschen mehr.

V.l.n.r.: Produzent Lukas Zweng, Regisseur Michael Podogil, Hauptdarsteller Michael Pink, Editor Sebastian Schreiner; Foto: Dana Netolicky

 

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