Faszination Rio de Janeiro

13,5 abenteuerliche Monate in der atemberaubenden “cidade maravilhosa”

“Sie hat schon seitdem wir uns im Studentenheim in Wien im Herbst 2010 kennengelernt haben, davon geredet, dass sie nach Brasilien gehen will.”
(Aussage einer Freundin)

Wie es dazu kam

Da der Studienplan der Rhythmik/Musik-und Bewegungspädagogik jedes Jahr mit verschiedensten Lehrveranstaltungen und Praktika ziemlich vollgepackt ist, wollte ich während des Bachelors nicht ins Ausland, um kein Jahr zu verlieren und mit meiner “Klasse” fertig studieren zu können.
Im Master, der im WS 2015 von einem auf zwei Jahre umgestellt wurde, hat man mehr Freiheiten, was den Studienplan angeht. Für gewöhnlich absolviert man im ersten Jahr die künstlerischen Fächer, die mit einer Abschlussprüfung und anschließenden Präsentation im Theater abgeschlossen werden. Das zweite Jahr hat man dann genug Zeit, um sich auf die Masterarbeit zu konzentrieren und dies lässt sich gut mit einem Auslandsaufenthalt kombinieren.

Aufstieg auf die Dois Irmaos
Aufstieg auf die Dois Irmaos

Mir war immer klar, dass ich die Möglichkeit eines Auslandssemesters bzw. Auslandsjahres während des Studiums in Anspruch nehmen wollte. Da mich Südamerika von klein auf schon immer interessiert hatte und mir Europa zu nahe war :), war es schon mal nicht schwer, für welchen Kontinent ich mich entscheiden sollte. Die Faszination Brasilien setzte sich irgendwann in meinem Kopf fest und ließ mich nicht mehr los. Ich weiß gar nicht genau wieso, aber ich habe es nie hinterfragt. Ich dachte: “Wenn mein Herz das Verlangen danach hat, wird es so richtig sein.” Die Natur, die Lebensfreude der Menschen und die Musik dieses Landes zogen mich irgendwie in ihren Bann. Da ich auch liebend gerne mit Kindern arbeite, hatten die sogenannten Favelas (Slums) mit ihren zahlreichen Sozialprojekten eine magische Anziehung auf mich. Ich hatte so viele Träume und Pläne, die ich verwirklichen wollte.

Die Vorbereitungen

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich bereits 1,5 Jahre vor dem geplanten Aufenthalt im Büro für internationale Beziehungen auftauchte und mich erstmalig erkundigen wollte, wie das mit dem Austausch abläuft. Eigentlich noch viel zu früh um wirklich schon handfest etwas vereinbaren zu können, aber ich konnte meine Vorfreude und meinen Wissensdurst nicht länger in Zaum halten. Obwohl ich so früh dran war, hatte ich doch im letzten Semester vor Antritt meines Auslandsjahres ziemlichen Stress mit all dem bürokratischen Kram. Also, was ich allen ans Herz legen möchte: Man kann nie zu früh anfangen, sich zu informieren!!!

Bigband UNIRIO
Bigband UNIRIO

Da es in Brasilien kein Studium gibt, das vergleichbar mit der Rhythmik/Musik- und Bewegungspädagogik in Wien ist, wäre es schwierig gewesen, mir etwas anrechnen lassen zu können (höchstens Modulfächer). Ich beschloss, im ersten Jahr des Masters alle Lehrveranstaltungen in Wien zu absolvieren um mich dann voll und ganz auf das Jahr in Rio einlassen zu können.
Finanzielle Unterstützung bekam ich leider nicht. Ich hatte zwar ein Stipendium beim Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft beantragt, dieses wurde mir allerdings nicht gewährt, da ich nicht alle erforderlichen Bedingungen erfüllen konnte. Weil ich aber sowieso immer gesagt hatte, dass ich auch ohne Stipendium mein Abenteuer bestreiten würde, hatte ich aus diesem Grund schon länger Geldreserven angespart.

Kontaktaufnahme und Unterkunft

Die ersten Kontakte zu Lehrenden der Universität UNIRIO bekam ich von Eliana Müller, die schon 2011/2012 ein Auslandssemester an der UNIRIO absolvierte und durch die auch die Partnerschaft zur mdw offiziell wurde.

Auch Gabriel, ein Student aus Rio, der mittlerweile auch an der mdw studiert, konnte mir viele wertvolle Tipps geben. Ziemlich schnell kam ich dann mit der Professorin Silvia Sobreira in Kontakt, der ich einen speziellen Dank aussprechen möchte. Ihr habe ich echt viel zu verdanken. Ohne ihre Hilfe wäre vielleicht Vieles anders verlaufen. Obwohl sie gerade ihre Doktorarbeit in London schrieb, kümmerte sie sich um Bürokratisches für meinen Austausch an der UNIRIO und nebenbei hörte sie sich auch nach einem Zimmer in Universitätsnähe für mich um. Auch nach meiner Ankunft in Rio am 19. Juli 2016 kümmerte sie sich rührend um mich, um mir die Eingewöhnungsphase so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie lud mich zu Familientreffen ein, stellte mir die Universität vor, machte mich mit vielen Studierenden und Lehrenden bekannt und zeigte mir die Stadt. Auch ihr Sohn half mir einige Male bei bürokratischen Sachen und führte mich zu spannenden Orten der Stadt. Ich bin echt dankbar für diese Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft, die ich durch sie und ihre Familie erfahren habe.

Zimmer
Aussicht von meinem Zimmer auf die Vila

Da sie die Lehrveranstaltung “Supervision des Praktikums” hielt, hatte ich durch sie auch Zugang zu einer Schule, in der ich mein Masterforschungsprojekt realisieren konnte. Am meisten dankbar bin ich ihr aber für den Kontakt des Zimmers, den sie mir vermittelte. Geplant war, dass ich nur ein kleines Zimmer mit eigenem Zugang inklusive Dusche und WC bei einer Witwe mit ihrer 21-jährigen Tochter und einem Hund mieten würde. Also es war nicht als Gastfamilie geplant. Doch wie sich innerhalb kürzester Zeit herausstellte, wurden diese wunderbaren Menschen für mich zu einer zweiten Familie. Ich wurde so herzlich aufgenommen und verstand mich von Anhieb mit allen hervorragend. Zusammen mit den Nachbarn, die dort in der sogenannten “Vila” (vergleichbar mit einer kleinen Wohngasse) alle Tür an Tür wohnten, verbrachte ich viele Wochenenden gemeinsam mit Partys und Grillen.

Familie und Nachbarn
Familie und Nachbarn

Jeden Tag bekam ich leckeres Essen, das Hilda, meine brasilianische Mutter, täglich nach der Arbeit zubereitete. Das war auch mitunter ein Grund für meine Gewichtszunahme^^ Bia, ihre damals 21-jährige Tochter, machte mich in den ersten Wochen mit der Umgebung vertraut, half mir bei Einkäufen und nahm mich zum Fortgehen mit.

Die UNIRIO

Das 1. Semester begann Ende August 2016. Ich wollte das Angebot an Lehrveranstaltungen an der Universität voll und ganz auskosten. Was ich auch gemacht habe. Angefangen von Bigband, Orchester von brasilianisch-popularer Musik, Jazz-Ensemble, Bossa Nova-Ensemble, Musik-und Bewegungsprojekt (brauchte ich auch noch für meinen Master) hin zu Zweierunterricht in Saxophon, Einzelunterricht in Percussion und Supervision des Musikpraktikums an einer Schule. Das Niveau des Musikinstituts Villa Lobos der UNIRIO würde ich als gut beschreiben. Zahlreiche Aufführungen und Klassenabende sowie die Lehrveranstaltungen, die ich besuchte, waren alle qualitativ sehr gut und lehrreich. Das Einzige, was ich bemängeln würde, ist die Pünktlichkeit und Verlässlichkeit, die man auf der Uni antrifft. Nicht gerade selten war ich verärgert, dass viele Studenten und Studentinnen einfach immer viel zu spät zum Unterricht kamen und sich teilweise nicht einmal entschuldigten. Vor allem beim Orchester oder der Bigband stellte das für die Probenzeit oft ein Problem dar. Aber anscheinend wird das dort von den meisten Lehrenden nicht so eng gesehen. Der Umgang zwischen Studierenden und Lehrenden ist grundsätzlich herzlich und man wird meistens mit “Oi! Tudo bem?” (Hallo! Alles gut?) und einer festen Umarmung und Küsschen links und rechts begrüßt. Auch die Studierenden sind sehr offen. Ich habe mich auf der UNIRIO echt wohl gefühlt und bin immer gerne hingegangen. Ich habe dort wahnsinnig viele Leute kennen gelernt und etliche neue Kontakte geknüpft.

Hof der UNIRIO
Hof der UNIRIO

Das Gebäude selbst kann man nicht mit unserer Universität vergleichen. Die Räume sind nicht gerade in gutem Zustand und sind auch nicht gut gedämmt. Die Klos spülten die Hälfte der Zeit nicht. Die Übungsräume sind rar, somit kam es nicht selten vor, jemanden im Hof z.B. Saxophon oder Geige spielen zu hören, was eigentlich nicht störte, sondern im Gegenteil, aufmunterte. Ich fühlte mich trotz den Mängeln des Gebäudes sehr wohl, da das Ambiente mit dem schönen, großen und freundlichen Hof dazu einlud, Zeit dort zu verbringen. Was ich auch geliebt habe, waren die kleinen Snacks und Süßigkeiten, die von Studierenden selbst gemacht wurden und immer dort in Boxen aufgestellt waren und ganz billig erworben werden konnten. Für mich hätte ein topmodernes, neues Unigebäude eigentlich überhaupt nicht zur Umgebung gepasst. Als ich im Oktober 2017 das erste Mal dann wieder am Anton-von-Webern-Platz war, konnte ich gar nicht glauben, welche Luxusgebäude wir Studierenden hier in Wien haben und lernte dies wieder viel mehr zu schätzen.

UNIRIO
UNIRIO

Das erste Semester endete kurz vor Weihnachten, wobei die letzten drei Wochen aus politischen Gründen gestreikt wurde. Bis Ende Februar hatten wir dann Sommerferien (die Jahreszeiten sind dort umgekehrt). Jedes Semester wird mit einer Abschlusspräsentationswoche namens “MAPA” beendet, in der Studierende aufführen, was sie das Semester über erarbeitet haben. Ich hatte z. B. Auftritte mit der Bigband, dem Orchester etc.

Von nervig über tieftraurig bis himmelhoch jauchzend

Der Lärmpegel ist in Rio allgemein lauter, sowohl nachts als auch tagsüber. Dies machte mir oft zu schaffen. Denn dadurch, dass die Häuser und Wohnungen so eng beieinander waren, konnte ich oft jedes Wort verstehen (solange ich den Dialekt verstand) und oft nachts auch nicht gleich einschlafen. Auch die vielen bellenden Hunde oder die rolligen Katzen, die oft nächtelang durchjammerten, verschafften mir öfters schlaflose Stunden. Dazu kamen dann im Sommer (Dezember – Februar) die elendige Hitze und die Moskitos. Das Üben von Saxophon oder Percussion war zu Hause auf Grund der engen Wohnsituation oft etwas unangenehm und ich versuchte nur an Zeiten zu spielen, an denen die meisten in der Arbeit waren.

Karnevalauftritt
Karnevalauftritt mit dem Bloco do Afrojazz (Douglas Oliveira)

Ohne meine wunderbare Familie in Rio hätte ich niemals meine Zeit mit dem Gipsfuß überstanden. Ja, richtig gelesen. Ich hatte ab Dezember 2016 für etwa sechs Wochen einen Gips am rechten Fuß und danach konnte ich für ca. fünf Wochen meinen Fuß nur wenig beanspruchen. Sowohl physisch als auch psychisch (fast mehr) angeschlagen, verbrachte ich einige Wochen nur mit zu Hause bleiben, essen, fernsehen und schlafen. Meine Familie in Rio kümmerte sich rührend um mich und versuchte mich mit allen Mitteln irgendwie aufzumuntern. In dieser Zeit wurde ich auch zur Telenovela-Liebhaberin. Nicht selten kam es zu gemütlichen Telenovela-Abenden im Kreise der Familie bei gutem Essen und Trinken. Ich kann von großem Glück reden, dass ich mich von meiner Fußverletzung bis zum offiziellen Beginn des Karnevals Anfang Februar 2017 wieder erholt hatte und meinen Fuß wieder so gut wie schmerzfrei war.

Eine Freundin aus Österreich besuchte mich im Februar und lebte auch bei meiner Familie. Im Karneval spielte ich mit dem Saxophon und der Surdo in zwei Blocos (Musikkapellen, die hauptsächlich im Karneval Auftritte haben) mit. Ich würde sagen, man muss den Karneval dort einmal live erlebt haben, um wirklich zu wissen, wie verrückt es dort abgeht. Am Karnevalwochenende gibt es fünf Tage lang rund um die Uhr Blocos, die durch die Stadt ziehen und denen man sich einfach anschließen kann. Der inoffizielle Karneval mit marschierenden Blocos geht aber eigentlich schon im Jänner los und endet (wenn er überhaupt endet^^) ca. im April.

2. Halbjahr: Vollgas

Im März 2017 begann das zweite Semester an der UNIRIO, das Ende Juni 2017 aufhörte. Ich nahm mir vor, nur mehr wenige Kurse an der Uni zu belegen, aber dafür das kulturelle Leben von Rio voll und ganz auszukosten. Somit war für mich das letzte halbe Jahr in Rio nochmals eine Draufgabe des ersten. Ich besuchte fast jede Woche mindestens zwei Konzerte bzw. Shows. Selbst spielte ich in einer Band namens “Biltre” und besuchte weiterhin die Proben eines Blocos namens “Bloco do Afrojazz”.

Karnevalauftritt
Karnevalauftritt mit dem Bloco do Afrojazz
Tuchakrobatik
Tuchakrobatik

Ich startete auch mit Tanz wieder voll durch. Der Besuch mehrerer Workshops von Contemporary Dance gemischt mit Urban Dance ließ mich richtig aufblühen. Im Juni war ich auf einem Wochenend-Festival von Urban Dance, das mich extrem hypte. Ich besuchte auch zwei Mal in der Woche den Kurs Tuchakrobatik, was etwas ganz Neues für mich war und ich schon immer ausprobieren wollte. Mit “Körperliches Training und Adrenalin” lassen sich die Unterrichtsstunden gut beschreiben. Leider machten meine Füße wieder Probleme, da die Verletzung anscheinend noch nicht ausgeheilt war, aber ich ließ mich davon nicht mehr beirren. Im Mai besuchte ich für zehn Tage einen Freund in der Stadt Natal im Nordosten Brasiliens. Ich war ein bisschen enttäuscht, da ich von dem regen Treiben und der Musik auf der Straße, das ich von Rio gewöhnt war, wenig mitkriegte.

Das Essen

Das Essen in Rio war echt köstlich. Da aber die meisten Speisen mit extrem viel Fett oder Zucker zubereitet werden und auch die Essgewohnheiten anders sind, nimmt man sehr schnell zu (war auch in meinem Fall so^^). Antialkoholische Getränke, sogenannte “refrescos”, waren mir viel zu süß, als dass ich sie hätte trinken können. Von den Kuchen und Torten hatte ich meist nach einem Bissen schon genug, da sie einfach so üppig sind und meist aus viel mehr Creme als Teig bestehen. Unser gutes Schwarzbrot findet man dort leider auch nicht. Aber was ich zum Beispiel geliebt habe, war die Auswahl an verschiedenen Früchten, die frisch gepressten Fruchtsäfte und “salgados” (frittierte Snacks). Nicht zu vergessen das Popcorn mit Speck^^ und natürlich “churrasco” (Grillen). Man sollte dort nie hungrig auf eine Grillparty gehen, denn diese dauert meist stundenlang, da z. B. ein Stück Fleisch in feine Scheiben geschnitten und in der Runde herumgereicht wird. Ich persönlich finde diese Art von Grillen viel sozialer und gemeinschaftlicher, als wenn sich jede Person mit ihrem Stück Fleisch auf dem Teller an den Tisch setzt.

“Tudo joia?” (Wie geht’s dir), “Beleza” (Alles gut?)

Das sind nur zwei von etlichen Redewendungen, die dasselbe bedeuten und eher als rhetorische Fragen verstanden werden. Mit meinen Grammatikkenntnissen aus zwei Portugiesischkursen (einer europäisch, der andere brasilianisch) konnte ich halbwegs gute Sätze bilden, aber die wirkliche Aussprache mit dem Sotaque (Slang) von Rio lernt man nur, wenn man dort ist. Als ich in Rio ankam, verstand ich erstmal gar nichts. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich die ersten Wochen immer müde ins Bett fiel, da das Zuhören für mich so anstrengend war. In meiner Gastfamilie konnte niemand wirklich Englisch reden, so kommunizierten wir die ersten paar Wochen hauptsächlich mit Hilfe von Google Übersetzer.

Drachensegeln
Drachensegeln

Im Nachhinein hat sich die ganze Mühe gelohnt. Hätte ich mit jemandem zusammengewohnt, mit dem ich immer wieder auf Englisch ausweichen hätte können, hätte ich mit Sicherheit niemals die Sprache so gut gelernt, wie ich sie jetzt beherrsche. Zwar grammatikalisch nicht immer ganz richtig, aber wichtiger ist es, schnell sprechen zu können. Ich würde jedem und jeder nahelegen, sich vor Reiseantritt wenigstens eine Basis des Portugiesisch zurechtzulegen, denn mit Englisch kommt man im Alltag nicht weit. Selbst an der Universität ist es nicht gang und gäbe, Englisch zu sprechen. Die meisten Professoren konnten sich zwar in Englisch ausdrücken, aber unter den Studenten gab es einige, die nicht mal sagen konnten, wie sie hießen.

Es ist immer was los

Die Mentalität der Menschen ist generell eine gelassene und entspannte. Im Supermarkt an der Kassa kam es mir oft so vor, als wenn diese Leute alle Zeit der Welt hätten. Generell fände ich es ja gut, wenn sich unsere Hektikgesellschaft davon ein Stück abschneiden würde, aber so extrem wie es in Rio ist, war es mir manchmal auch schon zu viel. Was ich wirklich an den Menschen bewundere, ist, dass sie trotz der vielen politischen, gesellschaftlichen, finanziellen sowie sozialen Probleme eine immense und ansteckende Lebensfreude an den Tag legen. Oftmals wird diese Freude auch durch Musik ausgedrückt. Fast an jeder Straßenecke findet man einen Musiker bzw. eine Musikerin oder eine Gruppe, die gemeinsam musiziert. Hier ein Samba auf der Straße, da ein Forró an der Bar und dort ein Choro. Es ist einfach immer was los. Oft war ich in dem Dilemma, was ich unternehmen sollte, da zur selben Zeit oft drei verschiedene Sachen stattfanden, die mich interessierten.

Afroreggae
Kinder bei Afroreggae

Mehrmals besuchte ich in einer Favela den Verein “Afroreggae”, der den Kindern dort gratis Musik- und Tanzunterricht anbietet. Auch Drachensegeln oder Flying Fox ließ ich mir nicht entgehen. Ein Highlight war auch die Dschungeltour im Amazonas. Mitte Juli 2017 musste ich in ein anderes Land ausreisen, da mein Studentenvisum nur ein Jahr gültig war. Sobald ich wieder einreiste, erhielt ich ein ganz normales Touristenvisum für drei Monate. Ich reiste nach Paraguay aus, wobei ich sagen muss, dass mich dieses Land nicht gerade vom Hocker gehauen hat. Die Mentalität der Menschen sowie das Land selbst sind ganz anders.

Kriminalität

Was leider auch erwähnt werden muss, ist, dass Rio sehr gefährlich ist. Ich habe in der Südzone, dem reicheren Teil der Stadt, gelebt. Hier trifft man auf viele Ausländer bzw. Touristen, was deshalb oft auch Anziehungspunkt für viele Diebesbanden und Gauner ist. Die öffentliche Anbindung ist hier sehr gut ausgebaut (ein positiver Aspekt der olympischen Spiele). Der Norden ist der ärmere Stadtteil. Er ist viel größer und es gibt viel mehr Favelas (Slums). Auffällig ist auch, dass dort viel mehr dunkelhäutige Menschen leben. Ich hatte das Glück, dass mir nie etwas passiert ist. Wichtig ist, dass man gewisse Regeln befolgt wie z. B. sich in gewissen Gegenden nicht alleine aufzuhalten, ab einer gewissen Zeit immer ein Taxi zu nehmen, keinen teuren Schmuck zu tragen etc. Mit der Zeit bekommt man auch ein bisschen ein Gespür dafür, was man tun kann und was nicht. Aber wissen kann man es nie. Da ich nach Rio kam, als gerade die Olympischen Spiele begannen, waren die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Als die Spiele zu Ende waren, hat man schnell gemerkt, dass die Kriminalität wieder zunahm. Dieser Aspekt hat aber trotzdem meine Liebe zu Rio bis heute nicht geschmälert.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang am Arpoador

In meinem Auslandsjahr in Rio durfte ich so viele wunderbare Erfahrungen sammeln und habe so viele herzliche, lebensfrohe Menschen kennen gelernt. Die Zeit in Brasilien hat mich irrsinnig bereichert und beglückt. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich von so vielen Seiten Unterstützung und Hilfe bekam und ich mir diesen Traum erfüllen konnte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte Mal war, dass ich in Rio gewesen bin, sondern erst der Anfang. Eigentlich weiß ich das schon zu hundert Prozent. Mein nächster Besuch wird nämlich schon in Kürze sein. Zum Karneval 2018…

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