Das Leben in der Hauptstadt Italiens

Wie man sich als Erasmus-Student in Rom zurechtfindet

Ich möchte meinen Beitrag all jenen widmen, die über einen Auslandsaufenthalt in Italien nachdenken, oder kurz davor stehen.
Kurz zu meiner Person: Mein Name ist Gregor Eisenhut, ich bin 22 Jahre jung, und studiere klassischen Gesang im Bachelor. Lange hatte ich darüber nachgedacht, ob es sich für mich lohnen würde, ein Auslandssemester zu machen oder ob ich auf dieses lieber verzichten sollte. Ganz klar gibt es Punkte, die dafür sprechen, aber auch welche, die dagegen sprechen. Im Endeffekt bin ich froh, mich doch dafür entschieden zu haben und möchte nun im folgenden Text von der einen oder anderen gemachten Erfahrung erzählen.

Das Leben in der Hauptstadt Italiens

Kollosseum
Das Kollosseum

Zu aller erst sollte man sich vor Augen führen, dass Rom im Vergleich zu Wien um vieles größer ist – sowohl die Einwohnerzahl als auch die Fläche – und man sich kein so gutes öffentliches Verkehrsnetz erwarten sollte wie in Wien. Dieses lässt nämlich Einiges zu wünschen übrig. Die Monatskarte von ATAC (das Pendant der Wiener Linien) kriegt man für schlappe 35 Euro in jeder Trafik, und zählt – ähnlich wie in Wien – für die gesamte Zone Rom Stadt. Man kann damit sogar nach Ostia, dem ca. 30 km entfernten Stand, fahren. Es gibt ca. vier Zugverbindungen pro Stunde ab dem Bahnhof Ostiense, der mit der Metro-Linie B, Station Piramide zu erreichen ist.

Die zweieinhalb U-Bahn-Linien und eine Hand voll Straßenbahn-Linien funktionieren prinzipiell recht gut, allerdings braucht man gute Nerven, wenn man sich mal doch für den Bus entscheidet. Dieser ist meistens völlig überfüllt und kommt in der Regel viel zu spät. Erwähnenswert ist auch noch, dass es immer wieder einen Streik gibt (meist an einem Freitag), in so einem Fall geht man dann einfach zu Fuß. Prinzipiell gilt, wenn man weniger als eine Stunde zu Fuß braucht, dann geht man zu Fuß!

Womit man auch gelegentlich rechnen muss, ist, dass die eine oder andere Haltestelle einfach mal ein halbes Jahr geschlossen bleibt. Die Gründe reichen von einer kaputten Glühbirne, einer nicht funktionierenden Rolltreppe bis hin zu kaputten Ticketautomaten.

Kollosseum

Schlussfolgernd ist man am Besten beraten, seine Wohnung, WG oder sein Studentenheim möglichst in der Nähe des Studienortes zu suchen. Wenn eine Metro auch noch in der Nähe ist: Jackpot!

Ich studierte am Conservatorio di Musica Santa Cecilia, bestehend aus zwei Standorten. Diese liegen sehr zentral in der Nähe des Piazza di Spagna, zu erreichen mit der Metro-Linie A, Station Spagna.

Piazza di Spagna
Piazza di Spagna

Die Wohnungssuche (egal ob Wohnung, WG, oder Wohnheim) gestaltet sich eher schwieriger. Meiner Erfahrung nach sind die Italiener ein recht spontanes Volk, und man hat meist wenig Glück, wenn man im Vorhinein versucht, sich ein Zimmer zu organisieren. Ich bin einfach ein bisschen früher angereist, habe mir eine Woche über AirBnB ein Zimmer gebucht und dann vor Ort mit meiner Suche begonnen. Es gibt einige Facebook-Gruppen und Homepages, die bei der Suche helfen. Man findet auch immer wieder an öffentlichen Orten (z.B. an Straßenlaternen) Anzeigen, vor allem am Universitätscampus La Sapienza.

Leider ist Rom ein recht teures Pflaster und man muss genau schauen, was man findet. Die Unterschiede den Wohnstandard betreffend sind hoch, also ohne Besichtigungstermin würde ich nichts buchen! In der Regel ruft man an, wenn man eine passende Anzeige gefunden hat. Für die sprachlich Unsichereren ist auch eine WhatsApp Nachricht eine Möglichkeit. Meistens wird man – sofern man eine Rückmeldung bekommt – dann noch am selben Tag zur Besichtigung eingeladen, und, wenn man interessiert ist, sollte man NACH der Besichtigung auch gleich zusagen. Nachdem die Italiener sehr schnelllebig sind, kann es durchaus passieren, dass das Zimmer am nächsten Tag weg ist.

Ein kleiner kulinarischer Exkurs

Auch das Essen in Rom ist teuer. Allerdings gibt es ein paar Tipps und Tricks, das Studentenbudget nicht zu sehr zu strapazieren. Der klassische Italiener nimmt um ca. 18.00 Uhr ein alkoholisches Getränk – einen Aperitif – zu sich und isst einen kleinen Snack dazu, bevor er dann gegen 21.00 Uhr zum eigentlichen Abendessen fortschreitet.
Ein Abendessen im Restaurant kommt locker auf 25 Euro pro Person, allerdings veranstalten eine Vielzahl von Lokalen und Bars den sogenannten Aperitivo. Dabei handelt es sich meistens um ein All-You-Can-Eat-Buffet mit allerlei Kleinigkeiten, welches mit dem Konsum eines Getränkes (meist zwischen acht und zehn Euro) mit inbegriffen ist.
Es gibt auch in der Nähe des Konservatoriums ein paar Plätze, wo man um die Mittagszeit Pasta um vier bis sechs Euro pro Teller bekommt. Es zahlt sich also aus, die Augen offen zu halten.

Zu meiner Erfahrung am Conservatorio Santa Cecilia

Conservatorio
Innenhof des Conservatorios

In den italienischen Alltag findet man sehr schnell hinein, das Einleben am Konservatorium gestaltet sich schon etwas schwieriger. Gleich vorweg: Man darf sich keine österreichischen Standards erwarten.
Prinzipiell funktioniert es so: Nach dem ersten Termin mit der Erasmus-Koordinatorin weiß man, welche Fächer man bei welchem Professor besucht. Jene Professoren, die in Rom im allgemeinen mit Maestro angesprochen werden, muss man dann persönlich kontaktieren. Oder man kommt in die erste Unterrichtseinheit – sofern man herausfindet wann und wo diese stattfindet – und stellt sich vor. Die Lehrveranstaltungen beginnen grob gesagt irgendwann zwischen Oktober und Weihnachten.

Die Abhaltung des zentralen künstlerischen Faches erfolgt etwas anders, wie wir es aus Wien kennen. Bei mir war es so: Ich bin immer dienstags am Vormittag in den Unterricht gekommen, und habe gewartet, bis der Professor mit mir arbeiten wollte. Es sind immer mehrere Studenten im Klassenraum und es ist auch üblich, dass man sich gegenseitig zuhört. Man bereitet jede Woche eine neue Arie vor, singt sie dem Professor vor, er sagt dir was er darüber denkt, und dann ist auch schon der Nächste dran. Ab und zu macht man mit den anderen gemeinsam ein paar Einsing-Übungen.

Ich würde daher ein Auslandssemester in Rom all jenen empfehlen, die technisch schon einigermaßen sattelfest sind, da man sich nicht viel an Technikunterricht erwarten darf.

Petersdom
Aussicht von der Spitze der Kuppel des Petersdoms

Persönlich bin ich mit meinem Professor ganz gut ausgekommen, jedoch gab es fachliche Meinungsverschiedenheiten. Ein halbes Jahr mit diesem Lehrer zu arbeiten war für mich eine Herausforderung und ich bin froh, meinen Professor in Wien als wohlwollende Unterstützung zur Seite gehabt zu haben, sonst wäre mein Rom-Aufenthalt – aus stimmlicher Sicht – wahrscheinlich nicht so gut ausgegangen.

Der zugeteilte Professor ist natürlich ein Risiko, welches jeder, der ein Auslandssemester macht, eingeht, und dessen sollte man sich auch bewusst sein! Vorab mit einem Lehrer Kontakt aufzunehmen bringt recht wenig, da man genauso nicht weiß, ob man sich fachlich verstehen würde. Da müsste man schon persönlich für ein paar Gesangsstunden vorbeikommen.
Ein Lehrerwechsel ist prinzipiell möglich, aber – so wie in Wien – nicht so einfach. Natürlich kann man auch Glück haben, aber man muss nun mal auch damit rechnen, dass man sich mit seinem Lehrenden nicht so wohl fühlt. Gerade bei künstlerischen Studiengängen ist das oft eine sehr persönliche Sache.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass mein Hauptgrund, ins Ausland zu gehen, Italienisch zu lernen war. Mein Ziel war nicht, mich gesanglich einen Riesenschritt weiter zu entwickeln, sondern mein Italienisch zu verbessern und zu festigen. Mein persönliches Ziel habe ich in den paar Monaten auf jeden Fall erreicht.

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