Gastkonzert in Hiroshima

Wir (Naomi Luther, Flöte, und Martin Zayranov, Geige) wurden ausgewählt, nach Hiroshima zu fliegen, um dort die jährlich stattfindenden Konzerte in Gedenken an den Atombombenabwurf im Zweiten Weltkrieg zu spielen. Organisiert wird dieses Projekt von der Universität Hiroshima, von welcher auch eine Gruppe Studierender die Konzerte gemeinsam mit uns bestritt.

naomi luther

Die japanischen Studierenden und Rebun Kayo, der Organisator, holten uns bereits vom Flughafen ab, brachten uns in die Proberäume, zeigten uns die Stadt, ließen uns traditionell japanisches Essen probieren und begleiteten uns auch die restliche Woche.

Das erste Konzert fand bereits am 7. November 2019 in einem Altersheim statt, in dem die Überlebenden vom Atombombenabwurf leben (Mutsumien). Wir spielten ein relativ kurzes Kammermusikprogramm, das wir in den zwei Tagen zuvor zusammen mit den lokalen Studierenden erarbeitet hatten. Die alten Menschen waren sehr berührt und haben sich sichtlich gefreut. Wir wurden sogar von mehreren Fernsehsendern gefilmt und in den Abendnachrichten gezeigt, was verdeutlicht, wie wichtig dieses Thema den Menschen dort ist.

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Am Tag vor dem zweiten Konzert besuchten wir das Atombombenmuseum, das erst vor relativ kurzer Zeit eröffnet worden ist. Dort wird sehr eindrucksvoll und ohne irgendetwas zu auszulassen dargestellt, welche schrecklichen Auswirkungen die Bombe hatte und bis heute hat. Durch kleine Einblicke in die persönlichen Geschichten der Menschen kann man das Entsetzen von damals sehr gut nachvollziehen. Auch wenn man die Geschichte und die Fakten eigentlich schon kennt, war es trotzdem etwas ganz anderes, an diesem Ort die Brutalität und Grausamkeit beinahe mitzuerleben.

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Martin präsentiert die spezielle Geige

Mit diesen Bildern im Kopf spielten wir am nächsten Tag das zweite Konzert, das an zwei verschiedenen Auftrittsorten im Peace-Memorial-Park stattfand, einmal mit Blick auf den “Atom bomb dome” und das zweite Mal vor dem Grabhügel, in dem all die Menschen liegen, die damals an diesem Ort gestorben sind. Es waren zwei sehr emotionale Konzerte und es war uns eine Ehre, im Gedenken an die Verstorbenen zu spielen.

Martin spielte auf einer sehr guten Geige, die extra für diesen Anlass gebaut wurde und teilweise aus dem Holz des einzigen Baumes besteht, der damals die Bombe und die Strahlung überlebt hat.

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Die letzten zwei Tage besuchten wir mit unseren neu gewonnenen Freunden viele Sehenswürdigkeiten und aßen uns durch die japanische Küche. Besonders beeindruckt hat uns Miyajima, eine Insel, auf der die größte Tempelanlage Japans steht.

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Insgesamt war es eine sehr emotionale, ereignisreiche und interessante Woche, in der wir viel gelernt und gesehen haben und neue Freundschaften in einer völlig fremden Kultur geschlossen haben. Für diese Gelegenheit möchten wir uns sehr bei der mdw und natürlich auch bei der Universität Hiroshima und all den lieben Menschen dort bedanken!

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