
VENTO VENEZIANO
Eine Musikalische Reise in das Venedig des 16. Jahrhunderts mit zwölfstimmiger Consortmusik.
Mitwirkende:
mdw: Lisa Felderer, Britta Kähny, Chun-Shih Lin, Katharina Lugmayr
MUK: Anna Barnás, Adam Benold, Michaela Brandstötter, Thomas List,
Moritz Reifner, Marie Winnecke
KUG: Katrin Felbermair, Christine Gnigler, Margaux Goubet,
Pia Gruber, Valentin Lagger, Leona Lenger, Olivia Schöffmann,
Lea Sobbe, Klara Werner
Giovanni Gabrielis instrumentale Ensemblewerke nehmen einen
bedeutenden Platz in der Geschichte der westlichen Musik ein. In
einer Zeit, in der viele seiner Zeitgenossen klein besetzte
Kammermusik – oft in einem virtuosen Stil – schrieben, hauchte
Gabrieli der mehrchörigen Canzona neues Leben ein und verlieh ihr
eine Originalität und einen Reichtum, die in der Instrumentalmusik
bis dahin ungesehen waren. Seine Werke sind der großartigste
Beitrag, der je zu dieser Gattung geleistet wurde, und sie sind in jeder
Hinsicht ebenso dramatisch wie einige der instrumentalen
Meisterwerke des Spätbarocks. Die erstaunliche Vielfalt an
Erfindungskraft in Gabrielis instrumentalen Ensemblewerken lässt
keinen Zweifel daran aufkommen, dass wir es hier mit den
Schöpfungen eines der großen Komponisten der Musikgeschichte zu
tun haben.
Gabrieli komponierte seine Instrumentalwerke wahrscheinlich für
den Gebrauch in den venezianischen Institutionen, an denen er wirkte
und musizierte: dem Markusdom (und anderen venezianischen
Kirchen, in denen die Musiker von San Marco von Zeit zu Zeit
auftraten) und der Scuola Grande di San Rocco. Als ständiger
Organist an diesen beiden Institutionen zwischen 1585 und seinem
Tod im Jahr 1612 hatte Gabrieli reichlich Gelegenheit, seine Werke
aufführen zu lassen – nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen
Freiheit, die ihm als bedeutendstem Komponisten Venedigs gewährt
wurde.
Die Tatsache, dass einige der Werke aus der Sammlung von 1615 in
Bearbeitungen für Tasteninstrumente erhalten sind, deutet darauf hin,
dass sie sich einer Beliebtheit erfreuten, die über die Grenzen der
Kirche hinausging. Sicherlich waren diese Werke auch außerhalb des
Veneto bekannt und bewundert, denn unter den erhaltenen
Exemplaren dieses Drucks befinden sich einige, die in
Musikinstitutionen nördlich der Alpen (z.B. in Augsburg) verwendet
wurden, wo Gabrielis Ruhm noch lange fortlebte, nachdem seine
Musik in seiner Heimatstadt bereits in Vergessenheit geraten war.
Das Titelblatt von G. Gabrielis „Canzoni et Sonate“ (1615) gibt an,
dass die Werke „per sonar con ogni sorte de instrumenti“ (auf
Instrumenten aller Art zu spielen) sind. Diese Beschreibung wurde
wahrscheinlich vom Herausgeber oder Verleger hinzugefügt, um die
Attraktivität des Drucks auf dem Markt zu steigern; ähnliche
Angaben finden sich auch in anderen venezianischen Drucken dieser
Zeit. Inwieweit dieser Kommentar Gabrielis eigene Haltung zur
Instrumentierung dieser Werke widerspiegelt, lässt sich nicht genau
bestimmen.
Es gibt jedoch genügend Informationen über die Instrumente, die
während Gabrielis Dienstzeit am Markusdom (und in San Rocco)
verwendet wurden. Diese zeigen deutlich, dass Zinken, Violinen und
Posaunen sicherlich bevorzugt wurden.
Dass einige dieser Werke in diesem Konzert heute ausschließlich mit
Blockflöten besetzt erklingen, ist sicher ein gewagtes Unterfangen und
hat in dieser Weise wahrscheinlich nie stattgefunden.
Dennoch finden wir es mehr als reizvoll, mit den
Renaissanceblockflöten, deren Vorbilder zu einem großen Teil in der
„Sammlung alter Musikinstrumente“ der Neuen Burg in Wien zu
finden sind, diese wunderbare Musik heute wieder erklingen zu
lassen.
Die Tonumfänge passen perfekt für unsere Consortinstrumente,
wobei wir tatsächlich aus dem vollen schöpfen können: Die
Blockflöten stammen zum größten Teil aus der Werkstätte des
Blockflötenbauers Adrian Brown, der die Originalinstrumente
sorgfältig vermessen und akribisch nachgebaut hat. Aber auch
Instrumente von Bob Marvin und Adriana Breukink werden mit
diesen gemeinsam erklingen.
Abschließend sei noch ein großer Dank den drei Universitäten KUG,
mdw und MUK gesagt, durch deren Unterstützung dieses
gemeinsame Projekt stattfinden kann. Ein ganz herzlicher Dank gilt
auch meinen Kolleginnen Katharina Lugmayr, Christine Gnigler und
Lea Sobbe und natürlich allen mitwirkenden Studentinnen und
Studenten!
– Thomas List






