Der Körper im Klang

Symposium zur Tanzausbildung in Rom

Unter dem Titel “Der Körper im Klang” veranstaltete die AND (Accademia Nazionale di Danza) Ende Oktober 2015 ein Symposium in Rom. Das Conservatorio di Musica Alfredo Casella aus L’Aquila war Kooperationspartner, wodurch ich viele Studierende und Lehrende dieses Konservatoriums kennen lernen konnte.

Die AND ist die einzige staatliche Tanzausbildung Italiens. Sie bildet rund 500 SchülerInnen und Studierenden aus einem internationalen Umfeld aus, die mit einem Bachelor- und Masterabschluss graduieren.

Über 50 KollegInnen sind an der AND als MusikerInnen berufstätig, um die Tanzklassen live zu begleiten. Diese arbeiten in einem Berufsfeld, das in den deutschsprachigen Ländern mehr und mehr eingespart wurde, aber in anderen Ländern noch hohes Ansehen genießt. Hier gibt es noch das Bewusstsein dafür, dass Live-Musik für Tanz nicht durch Musik aus der Konserve ersetzt werden kann.

Musik und Tanz im Fokus

Bei diesem internationalen Symposium standen Fragestellungen im Mittelpunkt, die dem Zusammenhang von Musik und Tanz galten. Vierzehn ExpertInnen aus ganz Europa waren als ReferentInnen eingeladen. Sie sind als KomponistInnen, PianistInnen oder als PercussionistInnen für namhafte Tanzausbildungen oder Tanzgruppen tätig oder sie bilden PädagogInnen für den trans- und interdisziplinären Bereich “Musik und Bewegung” aus. Als Vertreterinnen der letzteren Gruppe waren Frau Mag. Verena Zeiner und ich eingeladen.

In Europa gibt es nur vereinzelt Ausbildungen für PianistInnen und PercussionistInnen, in denen das Musizieren für den Tanz gelehrt wird. Es handelt sich ja nicht ausschließlich um musikalische Begleitung von Tanz in seinen verschiedenen Stilen, sondern auch darum, ausgehend von der Musik, Impulse für die Bewegung zu geben.

Symposium "Der Körper im Klang" ©Andrea Toschi
Symposium “Der Körper im Klang” ©Andrea Toschi

Kommunikation zwischen MusikerInnen und TänzerInnen

Begleitung von klassischem Ballet geschieht anders als Begleitung von Graham-Technik. Ganz anders wiederum verhält es sich im zeitgenössischen Tanz. In der Cunningham-Technik wird ausdrücklich auf die Gleichstellung von Musik und Tanz geachtet. Hier erfolgt die Kommunikation zwischen TänzerInnen und MusikerInnen besonders intensiv.

Meisterliche musikalische Improvisationsfähigkeit durch alle Stilepochen hindurch ist wichtig, um solch einer Aufgabe gerecht werden zu können. Außerdem wurde klar, dass MusikerInnen einen Bezug zum eigenen Körper und zur eigenen Bewegung benötigen, um eine Empathie für die Bewegungen der TänzerInnen entwickeln zu können. Hier kann die Ausbildung zur Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik gute Dienste leisten.

Am Ende des Symposiums entstand die Idee eines Joint Master, der von drei Ausbildungsstätten angeboten werden könnte. Auch das Institut MBM der mdw ist dabei gefragt.

Symposium "Der Körper im Klang" ©Andrea Toschi
Symposium “Der Körper im Klang” ©Andrea Toschi

Workshop Angelika Hauser-Dellefant:
“Hear the music in your movement”

Folgende Fragenstellungen wurden in meinem Workshop praktisch erarbeitet und theoretisch erörtert:

  • Die Bedeutung der Bewegung beim Musizieren.
  • Die Bedeutung der inneren, begleitenden Stimme für die Qualität von Bewegung.
  • Wie kann man überprüfen, ob man sich im “Mechanikmodus” befindet oder ob es innerlich mitsingt, mitschwingt, mitfühlt?
  • Die Schwierigkeit, sich zu bewegen und gleichzeitig laut zu sprechen und zu singen.
  • Wie kann man die Zweistimmigkeit von gespielter Musik und der dazu ausgeführten Tanzbewegung nachvollziehen?

Unter den TeilnehmerInnen befanden sich TänzerInnen, MusikerInnen und andere ReferentInnen.

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