Von NYC nach Karlsruhe

Auslandssemester selbst organisieren

Während meins Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien schlug ich zu Beginn die Orchesterlaufbahn ein. Als mir jedoch nach ca. zwei Jahren klar wurde, dass ich eine andere Form des musikalischen Ausdruckes suche – eine kreativere und individuellere – und ich nicht Orchestermusiker werden wollte, begab ich mich auf die Suche danach, wie und mit welchen Menschen ich diesen neuen und eigenen musikalischen Weg beschreiten könnte.

Simon Zöchbauer
Simon Zöchbauer

Mein Glück war, dass mein Ensemble Federspiel schon lange vor der Zeit an der mdw existierte und ich hier eine bestehende Formation hatte, mit der ich meine Ideen und Kompositionen ausprobieren und verwirklichen konnte. Ich musste es nur noch begreifen und umsetzten, was ich da schon hatte.

Da nun klar war, dass ich von meinen eigenen Projekten leben wollte und das zu meinem Hauptberuf werden sollte, wusste ich, ich muss mir in Wien, an der Basis etwas aufbauen, bevor ich in Ausland gehe. Als Federspiel und später auch mein 2. Ensemble Ramsch und Rosen schon soweit etabliert waren, suchte ich nach möglichen Destinationen.

Auf eigene Faust

Mir war klar, dass ich nach New York City gehen wollte, um mich in Komposition und Improvisation zu vertiefen und um Ideen und Inspirationen für meine Arbeit mit Streichquartett und Trompete zu sammeln.

Da ein Weg über die mdw (Fullbright Stipendium, Erasmus+) hier eher schwierig schien und mit viel Bürokratie verbunden gewesen wäre, entschied ich mich für einen anderen Weg und bewarb mich für das Startstipendium beim Bundeskanzleramt, das mir auch zugesprochen wurde.

Parallel kümmerte ich mich um einen Erasmusaufenthalt an der Hochschule für Musik in Karlsruhe bei Prof. Reinhold Friedrich, den ich auf Seminaren kennengelernt hatte und unbedingt bei ihm lernen wollte.

In New York City

Im Wintersemester 2014 bestieg ich also den Flieger nach New York City, voller Aufregung und mit etlichen Adressen und Namen, die ich alle besuchen wollte. Ich organisierte hier alles selbst, die Unterkunft, den Unterricht, Konzerte…

Daniel Schnyder & Simon Zöchbauer
Komponist Daniel Schnyder (links) und Simon Zöchbauer

Mit Daniel Schnyder, einem Schweizer Komponisten und Saxophonisten, spielte ich ein Stück (für Saxophone, Trompete und Zither) bei einem “Composer-Concordance” bei dem Composer-Performer ihre neuen Werke aufführten; das 2. Konzert mit dem Trompeter Franz Hackl fand ebenfalls in diesem Rahmen statt.

Ich nahm Unterricht bei Trompetern aus dem experimentellen Bereich (Taylor Ho-Bynum, Peter Evans), aus dem Bereich Jazz (Ralph Alessi) und aus der Klassik (Mark Gould), sowie Kompositionsstunden bei Daniel Schnyder.

Die Vorteile an dieser Art, es ohne Institution zu machen, waren weniger bürokratische Schritte, keine Dinge die man machen muss in der Zeit, keine Fristen, etc.

Der Nachteil daran war, dass ich nicht so viele gleichgesinnte StudentInnen kennen gelernt habe, jedoch viele andere Musiker.

In Karlsruhe

Direkt nach dem Semester in NYC ging es nach Karlsruhe – ein ziemlicher Kontrast, was die Größe der Stadt und deren Vibes betrifft.

In Karlsruhe war ich sehr glücklich von so tollen Trompeterkollegen zu lernen und einen wirklich phantastischen Unterricht zu genießen. In Karlsruhe ging es jetzt wieder ganz spezifisch ums Instrument alleine und um die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung in Wien, die mit Auszeichnung bestanden wurde.

Im Nachhinein gesehen hätten die beiden Auslandsaufenthalte noch länger als jeweils ein Semester dauern können, aber da mit Federspiel sehr viele Konzerte und Reisen in die Studienzeit fielen, war ich auch froh, nach Abschluss weniger Verpflichtungen zu haben.

Ich bin heute noch in engem Kontakt mit Reinhold Friedrich, den ich öfters im Jahr besuche, um bei ihm Unterricht zu nehmen, sowie mit Daniel Schnyder, den ich ab und zu treffe und 2018 zum Wellenklänge Festival nach Lunz am Seen für einen Workshop eingeladen habe.

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