Porto & Helsinki

Persönliche Erfahrungen mit dem Erasmusprogramm

Dies ist der 2. Teil meiner Erfahrungen mit dem Erasmusprogramm 2014 – 2017. Hier geht es zum 1. Teil: https://mdw.ac.at/internationalblog/2017/09/20/kopenhagen-triest/

 

Porto, Portugal, 13. – 20. März 2016

Die Einladung nach Portugal habe ich von der Hochschule Escola Superiore de Música, Artes e Espectáculo in Porto erhalten. Die mittelalterliche Stadt, gebaut auf den Hügeln, bildet ein wunderschönes Panorama, wenn man sie von der Brücke des Luis I. des Flusses Duro (Ponte Luis) aus sieht.

Kirche
Kirche

Die Fassaden der meisten Gebäuden bestehen aus Fliesen mit traditionellem, bemalten Porzellan und bilden wunderschöne Kunstwerke (aus der Religion, Mythologie usw.). Leider sind sie aufgrund der finanziellen Engpässe des Staates nicht gut erhalten.

Die Hochschule ist in einem alten Palais untergebracht, ein Geschenk eines reichen Musikfreunds. Wie die ganze Stadt kann auch das Palais aufgrund mangelnder finanzieller Mittel nicht gut erhalten werden, daher befindet es sich in einem schlechten Zustand. In März war es sehr kalt und ohne Heizung war der Unterricht nicht sonderlich gemütlich. Es war deutlich zu sehen, wie arm das Land unter der Wirtschaftskrise geworden ist. Wie die Kollegen mir erzählt haben, ist es vorgekommen, dass sie monatelang auf den Ersatz einer ausgefallenen Glühbirne warten mussten. Letzen Endes besorgen die Lehrer alles, was für den Unterricht notwendig ist, selbst. Ich muss gestehen, dass ich den Willen und das positive Denken der Studierenden, die unter solchen Umständen Kunst studieren, bewundere.

Konservatorium
Das Konservatorium von innen und außen

An der Masterclass haben 24 Studierende aus dem Bachelor- und Masterstudium teilgenommen. Das Unterrichtsrepertoire bestand aus Arien und Liedern von deutschen und italienischen Komponisten. Zur meiner Überraschung gab es unter den Studierenden drei Tenöre und einen Contratenor. Die Portugiesen haben außergewöhnlich schöne Stimmen und die Vorbereitung von seiten der Professoren war ausgezeichnet (beiden haben in Salzburg bzw. in München studiert). Die Musikalität, das Verständnis der Inhalte der Werke, das hohe technische Niveau und die Souveränität des Auftretens zeichneten die Gruppe aus. Das Unterrichten hat großen Spaß gemacht und die volle Unterrichtswoche ist schnell vergangen.

Unterricht
Beim Unterricht

Die wenigen freien Stunden, die Frau Teraoka und ich hatten, nutzten wir, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besuchen. Die Gebäude von innen und außen sind Kunstwerke. Man weiß nicht, was man zuerst bewundern soll: Die Kirchen, die Bahnhofstation mit den schönen Darstellungen der Porzellanwände und Decke aus der griechische Mythologie oder die berühmte Luis Brücke?

Bahnhof
Im Bahnhof

Die Stadt mit den vielen farbigen Häusern, auf der einen Seite an den Füßen des Duro und auf der anderen Seite an den Hügeln und Bergen, geben den Eindruck von magischen Bildern. Am letzten Tag haben wir einen Ausflug an die Atlantikküste gemacht. Die Naturklänge des Meeres und des Windes legten sich wie Balsam auf das Gemüt – ich habe sie sehr genossen. Das gute Essen und den Porto Wein haben wir mehrmals gekostet.

Stadtzentrum
Das Stadtzentrum
Markthalle
Die Markthalle
Markt
Obst- und Fischstände am Markt

 

Helsinki, Finnland, 2. – 9. Oktober 2016

Die Universität für Musik, Helsinki Metropolia University of Applied Sciences, beginnt mit dem Unterricht im September und so war es möglich, die Masterclass in der ersten Oktoberwoche anzubieten.

Helsinki
Helsinki von oben

Aus dem Flugzeug haben wir die vielen kleinen Inseln von Helsinki bewundern können. Wir hatten das Glück, die ganze Woche über Sonnenschein zu haben, was die niedrigen Temperaturen erträglicher machte.

Nationaler Fischmarkt Hafen
Nationaler Fischmarkt am Hafen

Gerade in dieser Woche fand der nationale Fisch- und Bauernmarkt am Hafen statt. Es war wie ein Volksfest. Die Fischboote sind am Hafen verankert und die Waren werden direkt von dort verkauft. Es gab noch andere Stände mit Obst und handgemachten Artikel. In Zelten mit improvisierten Küchen wurden frisch gekochte Fische verkauft. Der Hafen war die ganze Woche voll mit Menschen, die zum Einkaufen oder Essen gekommen sind.

Markthalle
Markthalle

Der Masterclass hat am Montag, dem 3. Oktober im großen Theater der Universität begonnen. Neun finnische Sänger und sechs Pianisten haben als Duo  teilgenommen. Sie waren Studierende aus dem Bachelor- und Masterstudium mit absolut hohem Niveau. Wie bekannt, gibt es in Finnland das beste Schulsystem. Die Kinder genießen von klein an eine gute Führung und die Talente werden unterstützt.

Unterricht
Mit den Studierenden

Obwohl die Studierenden aus der Pädagogik stammten, haben sie das stimmliche Niveau von Sologesang mit großen und qualitätsvollen Stimmen. Die Pianisten waren sehr gut vorbereitet und sie haben die Sänger mit Sensibilität begleitet. Zur Mittagspause ist die ganze Gruppe in den Kantinen gemeinsam essen gegangen. Das ganze Arbeitsklima war freundlich und herzig, sowohl von Seiten der Studierenden als auch den Professoren. Die Kollegin Sirkku Wahlroos-Kaitila, die Leiterin der Gesangsabteilung und Absolventin unserer Universität, hat sich bemüht, das Niveau auf einen hohen Standard zu bringen und dort zu halten.

Unterricht
Unterricht

Das vorbereitete Repertoire bestand aus Liedern österreichischer und deutscher Komponisten sowie aus Opernarien des internationalen Repertoires. Die deutsche Aussprache war perfekt und die Verständlichkeit des Textes ausgezeichnet. Von der musikalischen Seite waren alle sehr gut vorbereitet, sowohl stilistisch als auch interpretatorisch.

Helsinki Oper
Die Oper in Helsinki

Die Oper von Helsinki befindet sich beim Toolonlahti See mit einem schönen Blick auf den nahe gelegenen Park. Die nahe liegende Sibelius Akademie, mit dem aus Holz bestehenden Konzertsaal, hat eine fantastische Akustik aufgrund der architektonischen Struktur. Dort finden die Konzerte des Symphonischen Orchesters und die Veranstaltungen der Musik Akademie statt.

Sibelius Akademie Musikzentrum
Sibelius Akademie Musikzentrum

Finnland feiert in diesem Jahr seine Unabhängigkeit von Russland und die Gründung der Demokratie. Die Bevölkerung umfasst nur 3,5 Millionen Menschen, in einem Land so groß wie Deutschland. Sie haben es geschafft, eine blühende Wirtschaft zu entwickeln, durch eine starke Industrie, Landwirtschaft, allen voran mit der Elektronik von Nokia.

Nach dem Ende des Kurses sind wir mit der Schifflinie zu der Insel Suomenlinna gefahren. Die ganze Insel wurde 1774 in eine Festung verwandelt, um das Land zu verteidigen. Es sind hohe Mauern mit großen Kanonen rund um die Küsten der Insel gebaut und mitten drinnen gibt es Verwaltungsgebäude, Kasernen und Gefängnisse. Trotz der finsteren Vergangenheit weist die Insel eine wunderschöne Naturlandschaft auf, die viele Touristen anzieht.

Dom
Der Dom

Wir haben in der Stadt die Kathedrale mit den nahe liegenden Regierungsgebäuden im neoklassizistischen Stil besichtigt, wovon wir sehr beeindruckt waren. Die restlichen Gebäude sind zwar sperrig und widerstandsfähig gegenüber der eisigen Kälte des Winters, wirken aber etwas arm in der Ästhetik. Die meisten sind während der russischen Herrschaft gebaut worden – wichtig war damals die Stabilität und die Funktionalität, weniger die Optik.

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