No kangaroos in Austria

Auslandssemster in Sydney

Mein Name ist Robin Prischink, ich habe an der mdw seit 2010 Musikerziehung studiert und 2013 auch mit Instrumental- und Gesangspädagogik begonnen. Mein Hauptinstrument ist Schlagzeug (popular) und ich habe die Chance genutzt, zwischen meinem ME Abschluss im Jänner und dem Beginn des Unterrichtspraktikums im September noch ein Semester ans andere Ende der Welt zu fliegen, um dort mit IGP Auslandserfahrungen zu sammeln.

Vorausschicken möchte ich, dass es eine unglaublich bereichernde Erfahrung war und ich es auf keinen Fall missen möchte. Sowohl die Stadt, die Kultur als auch die Universität und die Studierenden dort haben mich begeistert und ich kann jedem und jeder Interessierten nur empfehlen, die Mühen auf sich zu nehmen und diese einmalige Gelegenheit zu nutzen. Aber ich muss auch gleich hier anmerken, dass einen Einiges an organisatorischem und finanziellem Aufwand erwartet.

Die Bewerbung

Beworben habe ich mich im Februar 2016 für das Semester März – Juni 2017. Ich bin vermutlich kein besonders großes Organisationstalent, aber ich würde den gesamten Aufwand von der Erstinformation über das Aufnehmen des Bewerbungsvideos bis hin zur Organisation der An- und Einreise auf jenseits von 100 Stunden schätzen. Das Büro für Internationales bei uns an der mdw war immer eine große Unterstützung, aber manches braucht eben Zeit. Ich habe mich in Melbourne und Sydney beworben und wäre an beiden Unis genommen worden, habe mich dann vor allem aufgrund der etwas problematischen Kommunikation mit der Uni in Melbourne für Sydney entschieden und bin sehr froh über diese Entscheidung.

Opera
Ich vor der Sydney Opera

Bei der Erstellung des Bewerbungsvideos habe ich mich an den Vorgaben für die Aufnahmeprüfung der jeweiligen Uni orientiert und mit zwei Studienkollegen versucht, ein möglichst abwechslungsreiches Video aufzunehmen. Darüber hinaus ist ein Motivationsschreiben zu verfassen und zwei Empfehlungen von Professor_innen einzuholen. Ich habe mir dafür viel Zeit genommen und trotz meines Englischstudiums alle Texte von einem Native Speaker checken lassen. Wie sehr die Qualität der einzelnen Aspekte der Bewerbung über die Aufnahme an der jeweiligen Universität zählen, kann ich nicht sagen, aber es hat für mich so funktioniert.

Eine große Herausforderung war das Aussuchen der Kurse, wobei dann vor Ort ohnehin wieder alles anders war und auch die Anrechnung an der mdw unkompliziert funktioniert hat, obwohl meine tatsächlichen Kurse von den im Learning Agreement angegebenen abgewichen sind.

Grundsätzlich muss jedem und jeder Interessierten bewusst sein, dass ein Auslandssemester außerhalb des EU-Raums immer aufwändiger als ein Erasmus-Semester ist. Da die University of Sydney eine Partner-Uni der mdw ist, entfallen die Studiengebühren, es gibt aber kein Taschengeld oder ähnliches. Für eine mögliche Bundesförderung muss man mindestens sechs Semester im zentralen künstlerischen Fach inskribiert gewesen sein und eine Liste an weiteren Voraussetzungen erfüllen, weshalb ich es leider nicht bekommen habe.

Mit dem Studentenvisum erhält man allerdings auch eine Arbeitserlaubnis und da das Lohnniveau in Australien recht hoch ist, konnte ich als Fahrradkurier dort etwas Geld dazu verdienen. Allerdings sind auch die Lebens- und vor allem Wohnkosten in Sydney sehr hoch, es ist daher notwendig, einen guten Finanzplan zu haben. Ich würde mit mindestens 450 AUS $ pro Woche für Wohnen und Leben rechnen.

Das Studium in Sydney

Aber nun genug zu den Beschwerlichkeiten und hin zum Wesentlichen: das Surfen, nein Spaß ich meine natürlich das Studieren am Sydney Conservatorium oder kurz: Con. Bevor die Kurse starteten, gab es am Hauptcampus für alle Studienanfänger und internationalen Studierenden eine Orientation Week. Es war ein eindrucksvolles Erlebnis für mich, da der Campus dort wirklich riesig ist und sich dort von Sportangebot über Wohnen und natürlich Studieren sehr viel abspielt. Es gibt sogar zwei Bars am Campus. Die Veranstaltungen der O-Week haben mir gut geholfen, mich zurechtzufinden und auch Freunde zu finden, mit denen ich den Rest des Semesters viel unternommen habe. Da das Con allerdings recht weit vom Campus entfernt ist, habe ich nicht so viel Zeit am Campus verbracht.

Conservatorium
Das Sydney Conservatorium

Der Beginn am Con war ein wenig holprig, da es einige Kommunikationsschwierigkeiten zwischen der Sydney Uni und dem Con gab. Die Lehrenden und die anderen Kolleg_innen waren aber von Anfang an sehr hilfsbereit. Die Jazz-Abteilung am Con ist von der Größe her mit dem ipop (Institut für Popularmusik an der mdw) vergleichbar, jedoch ist es dort leichter zu den Studienkolleg_innen Kontakt aufzubauen. Dies hat mehrere Gründe: 1. ist der Stundenplan zentral organisiert und der Unterricht findet fast ausschließlich zwischen 10 und 17 Uhr statt, wodurch die Chance höher ist, zeitgleich an der Uni zu sein; 2. ist das Con von der Architektur her so gebaut, dass es einen zentralen Bereich gibt, wo man sich leicht über den Weg laufen kann und 3. gibt es eine Lehrveranstaltung, an der alle Jazz BA Studierenden teilnehmen (s.u. Concert Practice).

Meine Kurse waren großteils wirklich gut. Ich konnte recht frei vom ganzen Angebot der Uni wählen und habe mich für folgende Kurse entschieden:

  • Practical Jazz Studies (=Hauptfach)
  • Small Ensemble
  • Gamelan Ensemble
  • Rhythm Awareness
  • Jazz Ear Training

Mein Hauptfach war aufgeteilt in vier Bereiche: Künstlerischer Einzelunterricht, Impro-Ensemble, Concert Practice und Rhythm Section Workshop. Der Einzelunterricht war ähnlich wie bei uns, aber weil ich keine Prüfung spielen musste (oder wir das am Anfang jedenfalls dachten – dazu später mehr), konnte ich gezielt an meiner eigenen Schwerpunktsetzung arbeiten. Von der Ausstattung ist das ipop wesentlich besser aufgestellt, ein Plus sind dort jedoch die gut ausgestatteten Computerräume mit iMacs, Studiokopfhörern und Midi-Keyboards an jedem Platz. Üben war dort leichter möglich als bei uns, wenngleich die Standard-Überäume einfach nur 3 m2-Räume sind und nur teilweise mit Klavier, die auch oft in eher schäbigem Zustand sind. Neu waren Ensemble-Räume, in denen ich häufig geübt habe, zu denen nur die Rhythm-Section Studierenden Zugang hatten und in denen Drums, gute Klaviere und Amps zu Verfügung standen. Man konnte sich mittels Kalender eintragen.

Blacksheep
Blacksheep: Mein Lieblingslokal, jeden Mittwoch Live Hiphop Jamsession

Wie oben erwähnt war Concert Practice ein Highlight meiner Studienzeit dort. Dabei herrschte für alle Jazz-Studierenden Anwesenheitspflicht (was aber nicht so streng durchgezogen wurde). Die erste Hälfte des Semesters war so gestaltet, dass man sich in einer Liste eintragen konnte, um dann ein ca. 20 Minuten-Set zusammenzustellen. So hat man jede Woche drei Ensembles gehört und danach gab es eine Feedback-Runde der Studierenden und eines Lehrenden. Ich habe dort von meinen Mitstudierenden unglaublich tolle Performances erlebt! Es gab sowohl Arrangements von bestehenden Stücken als auch Originale aus studentischer Feder. Auch die Feedbackrunden im Anschluss waren sehr lehrreich, weil man einen guten Blick darauf bekommen hat, wie verschiedene Instrumentalisten die Performances wahrnehmen. Was sagt ein Gitarrist zu anderen Gitarristinnen? Was sagt eine Pianistin zum Schlagzeuger usw.? Die Feedback-Kultur war dabei vor allem unterstützend, aber durchaus auch kritisch.

Im Small Ensemble musste jede_r ein Leadsheet zum gemeinsamen Erarbeiten sowie ein ausgeschriebenes Arrangement mitnehmen, das quasi ohne Erklärung vom Blatt gespielt werden konnte. In den ersten Wochen hat unser Ensembleleiter selbst einige Tunes mitgenommen.

Ein besonderes Highlight war für mich auch das Gamelan Ensemble, bei dem wir uns mit indonesischer – genauer balinesischer – Musik beschäftigt haben. Anfangs wurde mir zwar gesagt, ich könnte den Kurs nicht besuchen, aber ich bin dann zum ersten Termin gegangen und nachdem zwei andere nicht aufgetaucht sind, wurde mir der Platz zugeteilt. Wir haben dort auch nach den Lehrmethoden der Balinesen gelernt, also nur durch Vor- und Nachspielen ohne Noten.

Rhythm Awareness war auch ein spannender Kurs, den der Chef der Schlagzeugabteilung geleitet hat. Dabei haben wir nur geklatscht und gesungen und auf diese Art verschiedene Rhythmus-Konzepte kennen gelernt. Was mich dabei fasziniert hat, war die stilistische Bandbreite: Von Joni Mitchell über Bob Marley bis zu Jazz und Neuer Klassik war alles dabei. In diesem Kurs waren sowohl Jazz-Studierende als auch Kompositions/Producing-Studierende, was eine spannende Mischung ergeben hat.

Jazz Ear Training war leider nicht besonders, aber es hat mich dennoch motiviert, mich in meiner Freizeit ein bisschen mit Gehörbildung zu beschäftigen.

Die Kurse waren zwar für sich schon aufwendiger als die meisten Kurse bei uns, es war aber trotzdem nicht schwer, sie zu bestehen und bei der Anrechnung wird die Note ohnehin nicht übertragen. Als Abschluss meines Hauptfachs musste ich überraschenderweise am Ende des Semesters doch eine Prüfung (=Recital) spielen. Es war aber eine gute Herausforderung und ich hatte schnell ein gutes Ensemble beisammen und habe durch die Probenarbeit auch noch bessere Kontakte zu eben diesen local students geknüpft.

Bronte Beach
Mein Lieblingsstrand: Bronte Beach

Abseits der Uni

Abseits der Uni blieb auch ein wenig Zeit, das Land kennen zu lernen. Von Sydney aus gibt es einige Ziele in unmittelbarer Nähe, vor allem die Blue Mountains und die Strände im Norden und Süden der Stadt. In den Osterferien war ich auch eine Woche in Tasmanien, was ich sehr empfehlen kann. Ein langes Wochenende habe ich außerdem für eine Fahrt bzw. einen Flug nach Melbourne genutzt. Für weiter entfernte Ziele hatte ich allerdings weder Zeit noch Budget. Aber es ist immer gut, sich noch etwas für ein Wiederkommen aufzuheben.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich diese vier Monate in Sydney wirklich sehr genossen habe und es jedem wärmstens empfehlen kann. Stadt, Uni, Menschen, Kulinarik und das Meer sind wirklich vom Feinsten! Und für alles andere bleibt das Australische Motto, dass man dort in der Alltagssprache ständig antrifft: No worries!

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