Hei*, Helsinki!

Ein Staff Training im Forschungsservice der Uniarts

Uniarts Helsinki

Mitte Juni 2018 absolvierte ich mein Staff Training für Verwaltung an der Kunstuniversität in Helsinki (Uniarts oder auf Finnisch: Taideyliopisto). Da ich an der mdw im Bereich Forschungsservice und Drittmittelprojekte arbeite, interessierte ich mich primär für diesen Bereich. Dies war mein zweites und – hoffentlich – nicht letztes Training! Ich ließ mich von den administrativen Voraussetzungen nicht abschrecken (schließlich arbeite ich selbst in der Verwaltung) und bewarb mich für eine Woche in Helsinki. Mit Erfolg!

*Hallo! (finnisch)

Warum Helsinki?

Ungefähr ein Jahr vor meiner Bewerbung lernte ich während einer internationalen Konferenz eine sehr nette Kollegin von der Uniarts kennen und stellte fest, dass sie vor mir bekannten Herausforderungen steht: Gestaltung von Services für Antragstellende im Drittmittelbereich, Komplexität und niedrige Bewilligungsquoten in den europäischen Förderprogrammen, insbesondere im Horizon 2020, neue Anforderungen in Zusammenhang mit der Digitalisierung (Forschungsdatenmanagement, Open Access) etc. Zudem ist die universitäre Struktur von Finnland mit Österreich vergleichbar. Mit weniger Einwohnerinnen und Einwohner (etwa 5,5 Mio.) hat dieses nordeuropäische Land wesentlich größere Fläche als Österreich und der Hochschulsektor der beiden Länder konzentriert sich in der jeweiligen Hauptstadt. Entscheidend für meinen Besuch war jedoch der persönliche Kontakt, der bis jetzt anhält.

Eingangsbereich und Veranstaltungsaal der Theater Akademie der Uniarts in den ehemaligen Fabrikräumen der Fahrstuhlfabrik “Kone”. Foto: Anna Zethner

An der Kunstuniversität Uniarts

Mein Staff Training verlief in Form von Führungen und Präsentationen sowie als Erfahrungsaustausch mit Workshopcharakter mit Kolleginnen und Kollegen aus der Uniarts. Die Kunstuniversität entstand als Zusammenlegung von drei Einrichtungen: Sibelius Akademie, Theater Akademie und Akademie der bildenden Künste. Die Leiterin des Forschungsservices der Uniarts stellte mir ein internes Projekt zur Weiterentwicklung von Angeboten vor, in dem Forschende zu den vorhandenen und zu gewünschten Services nach der Zusammenlegung befragt wurden. Ergebnisse sollen in die Neugestaltung der Forschungsservices einfließen.

Spannend war zu erfahren, dass die Uniarts seit Langem ein Forschungsinformationssystem hat, das gemeinsam mit vier weiteren finnischen Universitäten verwendet wird (SoleCRIS), und dass der Umstieg auf ein anderes, modernes System geplant ist, wobei das System der Aalto University ACRIS (Aalto Current Research Information System[1]) als Best Practice angesehen wird.

Beeindruckend war auch der Besuch von neuen Räumlichkeiten der Sibelius Akademie im zentral gelegenen, nach dem letzten Stand der Technik eingerichteten, Musikzentrum (Musiikkitalo). Hier befindet sich auch das History Forum, eine Einrichtung der Uniarts zur Erforschung der Geschichte der (überwiegend finnischen) Musik und anderer darstellender Künste. Ein PhD-Projekt, das dabei präsentiert wurde, hatte beispielsweise die Entwicklung des finnischen Balletts als Thema.

Quelle: musiikkitalo.fi

Abseits der Host Institution

Einmal in Finnland wollte ich mir auch andere Einrichtungen anschauen und vereinbarte daher einen Termin beim finnischen Forschungsförderungsfonds Academy of Finland (Pendant zum österreichischen Wissenschaftsfonds FWF). Entsprechende Kontakte vermittelte mir meine Kollegin aus dem Forschungsservice der Uniarts. Ich war etwas überrascht, dass der wichtigste finnische Fördergeber im Bereich der Grundlagenforschung seine Förderung für Einzelprojekte (“non-targeted funding”) in den letzten Jahren sukzessiv senkte und gleichzeitig die Mittelzuwendung für Schwerpunktprogramme (“strategic research programmes”) erhöhte. Einerseits führte das zu einem Zuwachs an Drittmitteln an der Uniarts: Die Universität hatte zwei strategische – sehr spannende – Großprojekte gefördert bekommen (CERADA – Center for Educational Research and Academic Development in the Arts und ArtsEqual – The Arts as Public Service: Strategic Steps towards Equality). Andererseits ist die Erfolgsquote bei Einzelprojekten spürbar gesunken, was das Leben einzelner Forschender abseits der Schwerpunktprogramme nicht unbedingt leichter machte.

Meinen Besuch in Helsinki legte ich zeitlich so an, dass ich mich an Aktivitäten einer Studienreise im Rahmen eines Kooperationsprojektes österreichischer Universitäten – Wissenstransferzentrum (WTZ) – beteiligen konnte. In diesem Zusammenhang besuchte ich beispielsweise eine F&E-Einrichtung der Universität von Aalto in der Umgebung von Helsinki (Design Factory).

Freizeit

Nach intensiver Arbeit blieb mir ausreichend Zeit, um auch andere Seiten von Helsinki kennenzulernen. Als erstes stellte ich fest, dass die berühmte finnische Sauna eher eine private bzw. eine soziale Angelegenheit ist und dass es nicht üblich ist, alleine zu saunieren. Normalerweise ist es eine Art Jour Fixe, um Freunde zu treffen und sich gemeinsam am Wochenende ein wenig zu entspannen. “Betriebssaunas” sind jedoch auch keine Seltenheit, wie das Beispiel von Aalto Design Factory zeigte, wo es durchaus üblich ist, Dienstbesprechungen (!) in der speziell dafür eingerichteten Sauna abzuhalten.

Meine andere “Entdeckung” waren zweisprachige Straßenschilder auf Finnisch und Schwedisch, obwohl Schwedinnen und Schweden nur eine kleine Minderheit in der Stadt darstellen. Hier machte ich die Erfahrung, dass man sich Aussagen zu diesem Thema gut überlegen muss, wenn man nicht ins Fettnäpfchen treten will. Am besten man hält sich in dieser Frage zurück, es sei denn, man hatte sich vorhin gründlich mit der wechselhaften Geschichte des Landes und dessen Beziehungen zu den Nachbarländern auseinandergesetzt.

Jean-Sibelius-Denkmal in Helsinki. Foto: Vitali Bodnar

Von den Sehenswürdigkeiten war für mich das Sibelius-Denkmal natürlich ein Muss. Das Konzept und der etwas abgelegene aber sehr schöne Ort dafür in einem Park an einer Bucht wurden seinerzeit heftig diskutiert. Mittlerweile scheinen Finninnen und Finnen aber ziemlich stolz darauf zu sein.

Das Highlight meiner Freizeitaktivitäten war aber die Insel Suomenlinna (finn.: Finnenburg) mit ihrer bewegten Geschichte einer Festung in den Diensten von drei verschiedenen Ländern: Schweden, Russland und zuletzt Finnland. Ich hatte Glück mit dem Wetter und konnte meine Erkundungen von militärischen Befestigungen und historischen Bauten, meist aus der Zeit der russischen Herrschaft, mit einem – ganz kurzen – Bad im Meer am winzigen Strand der Insel verbinden. Das Wasser ist hier auch im Sommer ziemlich frisch!

Das Königstor an der Inselfestung Suomenlinna (photo archives of the Governing Body of Suomenlinna / Yrjö Tuunanen, suomenlinna.fi)

Mich hätten noch andere Sachen, wie die moderne Felsenkirche oder der Fischmarkt am zentralen Hafen der Stadt interessiert, aber da war schon die Zeit abzureisen. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, komme ich bestimmt wieder…

 

Links

[1] https://www.aalto.fi/services/introduction-to-acris

Uniarts: www.uniarts.fi/en/about-us

Uniarts History Forum https://sites.uniarts.fi/web/historiafoorumi/home

Music Centre: www.musiikkitalo.fi

Aalto Current Research Information System: www.aalto.fi/services/introduction-to-acris

Academy of Finland: www.aka.fi/en

CERADA – Center for Educational Research and Academic Development in the Arts: http://cerada.uniarts.fi/

ArtsEqual – The Arts as Public Service: Strategic Steps towards Equality: www.artsequal.fi

Aalto Design Factory: https://designfactory.aalto.fi/

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