SYMPOSIUM Antonio Draghi
10.-14. November 2026
Lectures
We are looking forward to welcoming our international speakers:
Greta Moens-Haenen, Markus Grassl, Alfred Noe, Herbert Seifert, Marie-Louise Herzfeld-Schild, Darija Andelić Andžaković, Adriana De Feo, Michael Hell, Livio Marcaletti, Marko Deisinger and Scott L. Edwards.
All lectures will be live-streamed online.
| Tue 10.11. | 17:00 | Haydn-Saal, mdw Campus, Anton-von-Webern-Platz 1, Wien 1010 | Markus Grassl: Introduction |
| Wed 11.11. | 14.30-17.30 | Festsaal Seilerstätte, Seilerstätte 26, Wien 1030 | Greta Haenen: Probleme der Überlieferung von Draghis Musik
Herbert Seifert: “Form follows function”: Draghis Schaffen im Kontext seiner Funktionen Michael Hell: Draghis “Gl’incantesimi Disciolti” – |
| Thu 12.11. | 14.30-17.30 | Festsaal Seilerstätte, Seilerstätte 26, Wien 1030 | Alfred Noe: Antonio Draghi als Verfasser geistlicher Libretti
Marko Deisinger: Eine Serie von Werken zum Thema “Christo nel deserto”. Draghis Zusammenarbeit mit Ippolito da Pergine Marie-Louise Herzfeld-Schild: Komponieren gegen die Pest: Draghis “La Sacra Lancia” (Prag, 1680) Daria Andjelic: A Pointed Effort: Editing Antonio Draghi’s “La Sacra Lancia“ |
| Fri 13.11. | 14.30-17.30 | Festsaal Seilerstätte, Seilerstätte 26, Wien 1030 | Adriana de Feo: „Il teatro delle passioni umane” von Antonio Draghi und Nicolò Minato (Wien 1690) und die Affektenlehre
Scott Edwards: The Pious Triumph: Catastrophe and Conquest in Antonio Draghi’s Vienna Livio Marcaletti: Draghi und das Hoforchester: Aufführungspraktische Fragen zur Begleitung seiner Vokalwerke |
Darija Andelic-Andzakovic
A Pointed Effort: Editing Antonio Draghi’s La Sacra Lancia
Preparing an edition of a musical work from manuscript is an exercise in decision making. Who are the intended audience? If the notation is old: what of it can be kept? What is lost in translation if it is modernized? Is there a way of communicating these lacunae in translation without cluttering the page?
All of these questions arise when editing La sacra lancia (1680, A-Wn Mus.Hs.16273), a sepolcro composed by Antonio Draghi (1634–1700). The music survives in a single source: a manuscript that transmits the vocal parts and basso continuo, with some indications of when viols should be added. The text also survives as a libretto by Nicolò Minato (1627–1698). Although the manuscript is handsome and legible, it is, for the purposes of performance, incomplete.
From a midway point in the editing process, I will address the various challenges that have arisen during the preparation of this manuscript for an upcoming performance in 2027.
Darija Andzakovic is a contrabass player and musicologist, specializing in historic bass instruments and late-eighteenth century performing practice. She is currently a doctoral candidate at the University of Music and Performing Arts in Vienna and has performed across Europe with various ensembles including: Le Moment Baroque, La Chapelle Ancienne, Kammersolisten Zug, and Bach Collegium Zurich.
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Adriana De Feo
Il teatro delle passioni umane von Nicolò Minato und Antonio Draghi (Wien 1690) und die Affektenlehre
Das 1690 am Wiener Kaiserhof zur Feier des Namensfestes Leopolds I. aufgeführte Werk Il teatro delle passioni umane von Antonio Draghi auf einen Text von Nicolò Minato verbindet höfisches Festtheater, historische Exempla und eine Reflexion über die menschlichen Leidenschaften. Seine Dramaturgie folgt keiner geschlossenen Handlung, sondern einer Folge von Affektdarstellungen, die jeweils anhand historischer oder mythologischer Gestalten entfaltet werden.
Dem Libretto dieser „Compositione per dame e cavalieri“ ist ein ‘Katalog’ der „menschlichen Leidenschaften … nach Aristoteles“ vorangestellt: Liebe, Hass, Begehren, Flucht oder Selbstbeherrschung, Lust, Schmerz, Hoffnung, Verzweiflung, Kühnheit, Furcht, Zorn sowie Milde beziehungsweise Leidensfähigkeit. Diese Affekte werden durch exemplarische Figuren veranschaulicht: Medea verkörpert Liebe und Hass, Alexander Begehren und Selbstbeherrschung, Archimedes Lust, Dido Verzweiflung, Caesar Kühnheit, Nero Furcht, Semiramis Zorn und Zenobia Milde. Die Auswahl greift auf ein gelehrtes Repertoire antiker und frühneuzeitlicher Geschichts- und Literaturtraditionen zurück.
In meinem Vortrag werde ich die Beziehungen zwischen dieser affektiven Typologie und Minatos Text schildern. Dabei wird die Affektenlehre nicht als geschlossenes System begriffen, sondern als Schnittpunkt aristotelischer, rhetorischer, moralphilosophischer und musiktheoretischer Diskurse betrachtet.
Die Leidenschaften erscheinen dabei als ambivalente Kräfte: Sie können den Menschen beherrschen und gefährden, zugleich aber auch zu außergewöhnlichen Taten anregen oder sich in Tugenden verwandeln. Diese Transformation bestimmt die panegyrische Funktion des Werkes. Am Ende werden sämtliche Leidenschaften auf Leopold I. bezogen, da sie von der „vera virtù eroica“ geleitet würden. Das Werk formuliert somit ein Herrscherideal, das nicht auf Unterdrückung, sondern auf maßvoller Beherrschung der Affekte beruht.
Die Besetzung mit Hofdamen und Kammerherren des engsten Hofkreises verweist zugleich auf die soziale Dimension der Aufführung. Il teatro delle passioni umane erweist sich somit als Affektenlehre, politische Huldigung und höfische Selbstinszenierung zugleich.
Adriana De Feo studierte Kunst-, Musik- und Theaterwissenschaften an der Universität Bologna und wurde 2012 an der Universität Mozarteum Salzburg mit einer Dissertation zu Mozarts dramatischen Serenate promoviert (Mozarts Serenate im Spiegel der Gattungsentwicklung). Von 2009 bis 2015 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Mozarteum Salzburg an der kritischen Edition von Mozarts Libretti im Rahmen der Digitalen Mozart-Edition beteiligt. Anschließend forschte und lehrte sie von 2017 bis 2022 am Institut für Romanistik der Universität Wien. Gemeinsam mit Alfred Noe gibt sie die kritische Gesamtausgabe der Poesie drammatiche Apostolo Zenos heraus. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Librettistik sowie in der Geschichte der italienischen Oper des 17. und 18. Jahrhunderts. Ihre Publikationen sind unter anderem bei Bärenreiter, Böhlau, Brepols, Classiques Garnier und der Libreria Musicale Italiana erschienen. Seit Dezember 2022 leitet sie das FWF-Einzelprojekt „Pietro Pariati – die kritische Ausgabe der Libretti” an der Abteilung Musikwissenschaft des Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.
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Marko Deisinger
Eine Serie von Werken zum Thema „Christo nel deserto”. Draghis Zusammenarbeit mit Ippolito da Pergine
Aus der Schlafkammerbibliothek Leopolds I. stammen drei Partituren zu musikdramatischen Werken Antonio Draghis, die die biblische Episode „Christus in der Wüste“ behandeln und heute in der Österreichischen Nationalbibliothek liegen: Al ingresso di Christo (Mus.Hs.16741), Entrata di Christo nel deserto (Mus.Hs.18883) und L’uscita di Christo dal deserto (Mus.Hs.18858). Während die beiden ersteren mit Jahresangaben versehen sind (1683 und 1687), ist die letztere undatiert. Der Textdichter ist in keiner der Partituren vermerkt. Jedoch lässt sich dieser aus dem Briefwechsel zwischen Leopold und Ippolito da Pergine erschließen. Die Briefe haben sich in der Österreichischen Nationalbibliothek und im Österreichischen Staatsarchiv erhalten.
Der Franziskaner Ippolito da Pergine übte als geistlicher Berater Leopolds einen großen persönlichen Einfluss auf den Kaiser aus. Sein Einfluss umfasste nicht nur spirituelle, sondern auch politische und kulturelle Belange. Regelmäßig schickte er dem Kaiser geistliche Unterweisungen, gelegentlich aber auch spirituelle Betrachtungen in Versen sowie Libretti, die Draghi vertonte. Dem Briefverkehr sind aufschlussreiche Details über die Zusammenarbeit zwischen dem Librettisten und dem Komponisten zu entnehmen.
In meinem Vortrag möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Rahmen und in welcher Art diese Werke zur Aufführung kamen. Welche Funktion hatten sie im kulturellen und geistlichen Leben am Hof? Wurden sie konzertant oder szenisch dargeboten? Nicht zuletzt möchte ich im Vergleich mit Werken aus dem umfangreichen Ouvre des Künstlerduos Antonio Draghi und Nicolò Minato auf kompositorische Besonderheiten infolge einer sonst eher unüblichen Textgestaltung hinweisen.
Marko Deisinger ist seit 2022 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Zuvor war er in mehreren wissenschaftlichen Projekten und als Lehrbeauftragter für Musikgeschichte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien beschäftigt. Er ist Autor zahlreicher Studien zu Heinrich Schenker (1868–1935) und zur Wiener Hofmusik in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.
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Scott L. Edwards
The Pious Triumph: Catastrophe and Conquest in Antonio Draghi’s Vienna
When Antonio Draghi settled in Vienna in 1658, the Habsburg capital depended on foreign musicians as much as it policed them. Drawing on recent scholarship on early modern mobility and its management, and on the acts of the Vienna city and Lower Austrian authorities, this paper situates Draghi’s forty-two years in the imperial capital within the divergent regimes that governed musical lives in a rapidly growing city and, after 1683, a monarchy expanding significantly at the Ottomans’ expense. At court, foreignness was a qualification: the Italian musicians of the imperial Kapelle enjoyed invitation, stipends, and honors, enabling Draghi to rise from bass singer to Hofkapellmeister. In the surrounding streets, foreign and itinerant musicians met a different logic: they were admitted only conditionally and constantly policed, since mobile performers were held to threaten the fragile morality of townspeople, an order officials feared would slide without constant supervision. No such suspicion appears to have attached to Draghi.
The paper follows Draghi’s own mobility as it tracked the court’s catastrophes – plague and siege repeatedly drove the imperial household, its music and musicians in tow, from the capital – alongside the many other mobilities that crossed the imperial city: itinerant troupes and street singers, diplomatic entourages, and the displaced communities reshaped by war and expulsion. It juxtaposes these movements with the works through which Draghi celebrated Habsburg conquest, whose mythological allegories translated territorial expansion into imperial triumph. Read together, these registers map a spectrum of imperial and municipal policy toward outsiders that shifted with standing, profession, and the fortunes of war.
Scott L. Edwards ist Assistenzprofessor am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung (IMI) der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). Er promovierte an der University of California, Berkeley, und war danach als Postdoc an der Harvard University und an der Universität Wien tätig. Er hat die New Senfl Edition mit herausgegeben und zu Musikkultur in den Ländern der Böhmischen Krone im 16. und 17. Jahrhundert publiziert. Sein aktuelles Projekt ist eine Monografie über Musik und Mobilität in der frühneuzeitlichen Habsburgerwelt: Darin untersucht er, wie Migration und Bewegung – etwa durch diplomatische Begegnungen, Diaspora-Gemeinschaften und territoriale Veränderungen, aber auch durch die alltägliche Zirkulation von Menschen, Klängen und Instrumenten – das Musikleben in einer Stadt prägten, deren Bevölkerung sich in dieser Zeit nahezu verdreifachte. Dabei greift er auf Sound Studies, Urban Studies, Kartografie und Materialität zurück, um die Musikgeschichte über den Habsburger Hof hinaus und in den städtischen Raum hinein zu erzählen.
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Greta Haenen
Probleme der Überlieferung von Draghis Musik
Keine einzige Komposition von Draghi wurde zu seinen Lebzeiten gedruckt, die Überlieferung ist lückenhaft: Neben Verluste gibt es auch unvollständige Werke: mehrere Opern sind unvollständig überliefert, von den früheren Werken gibt es nur Particelle mit ab und zu Hinweisen auf Instrumentalstimmen und Stimmensätze seiner dramatischen Musik gibt es überhaupt nicht. Bei den dramatischen Werken lassen sich die Verluste feststellen, bei Kirchenmusik ist dies nicht der Fall. Ob Draghi nur zwei Messen, zwei Hymnen, drei Psalmen und ein Stabat mater komponiert hat ist angesichts seiner Stelle als kaiserlicher Kapellmeister ab 1682 fast undenkbar.
Trotz einer Karriere in Italien vor seiner Anstellung am Hof der Kaiserin-Witwe Eleonora scheint Draghis Musik nur vereinzelt in italienischen Quellen auf. Ein Beispiel: drei Opern wurden in Venedig in bearbeiteten Fassungen aufgeführt. Von denen ist nur die Partitur von Leonida in Tegea erhalten; sie ist aber als Quelle für Draghi so gut wie unbrauchbar, die Abweichungen vom Original sind groß. Die in italienischen Sammelhandschriften erhaltenen Arien sind entweder nachweisbar nicht von Draghi oder aber der Komponist ist nicht zu identifizieren. Die nur im höfischen Umfeld aufgeführte Musik ist außerhalb des höfischen Bereichs unbekannt, was die Verbreitung erschwerte.
Greta Haenen studierte an der Universität Leuven (Belgien) Musikwissenschaft und Orientalistik, sowie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mozarteum in Salzburg Theorie und Praxis der alten Musik; Promotion 1983 mit einer Dissertation über das Vibrato in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. 1991 Ernennung zur Dozentin an der Akademie für Alte Musik Bremen, nach deren Integrierung in die Hochschule für Künste Bremen 1994 Professur Musikwissenschaft. Von 2012 bis 2019 Gastprofessur an der Universität des Saarlandes (Saarbrücken). Publikationen zu aufführungspraktischen Fragen und zu Musik am Hof Leopolds I. Ein Werkverzeichnis dieses Kaisers ist in Druck.
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Marie Louise Herzfeld-Schild
Komponieren gegen die Pest: Antonio Draghis „La Sacra Lancia“ (Prag, 1680)
Im August 1679 verließ der Hof Leopolds I. das von der Pest heimgesuchte Wien. Nach einer Wallfahrt nach Mariazell zog er weiter nach Prag, wo er residierte, bis die Pest im Mai 1680 auch dort zum Aufbruch zwang. In diese Zeit fällt die Entstehung von Antonio Draghis Sepolcro La Sacra Lancia. Das Werk wurde am Gründonnerstag 1680 in der Kapelle der Kaiserinwitwe Eleonora Gonzaga vor dem Heiligen Grab aufgeführt. Die Pest ist dabei mehr als bloßer Entstehungshintergrund: Die Komposition nimmt ausdrücklich auf die damalige Situation Bezug und greift auch das Gelübde auf, mit dem Leopold im Oktober 1679 die Errichtung einer Dreifaltigkeitssäule am Wiener Graben versprach, um Gott zur Abwendung der Pest zu bewegen.
Der Vortrag verortet La Sacra Lancia im Kontext von Pest, Pestflucht und höfischer Frömmigkeitspraxis und legt die Pestbezüge der Komposition offen. Er setzt das Werk zudem in Beziehung zum kaiserlichen Gelübde und dessen musikalischen Anteilen und fragt, welche Funktion ein solches Sepolcro im zeitgenössischen Kampf gegen die Pest erfüllen konnte.
Marie Louise Herzfeld-Schild ist Universitätsprofessorin für Musikwissenschaft am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). Im Rahmen ihres ERC Starting Grant Projekts „GOING VIRAL: Music, Emotions and Pandemics (1679–1919)“ erforscht sie musikalisch- emotionale Praktiken während der Großen Wiener Pest von 1679/80. Ihre Ergebnisse erscheinen u.a. 2027 in ihrem Cambridge Element in Histories of Emotions and the Senses Time-Feel: Towards a History of Music and Emotions in Early Modern Europe.
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Livio Marcaletti
Draghi und das Hoforchester: Aufführungspraktische Fragen zur Begleitung seiner Vokalwerke
Die Musik von Antonio Draghi stellt ein nicht einfach zu überwindendes aufführungspraktisches Problem dar: Mit welcher Besetzung sind seine Vokalwerke, insbesondere die dramatischen, zu begleiten? Die meisten Arien weisen eine Begleitung der Singstimme durch das Basso continuo und instrumentale Ritornelli auf. Allerdings sind die spielenden Instrumente dafür sehr selten spezifiziert. Was wissen wir über das Hoforchester dieser Zeit? Welche Instrumente spielten in der Regel das Basso Continuo? Wurden die Ritornelli-Partien nur von Streichern oder auch von Blasinstrumenten gespielt? Wurde die Stimme tatsächlich nur vom Basso continuo begleitet oder liegt es an der unvollständigen Notation der überlieferten Partituren? Der Vortrag wird einen Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zu diesen Fragen geben und anschließend eine Reflexion über die heutige Praxis im Hinblick auf die dramatische Vokalmusik der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bieten.
Livio Marcaletti
Studium der Musikwissenschaft und Italianistik an der Universität Pavia/Cremona (Italien) studiert. 2011-2015 Promotion in Musikwissenschaft an der Universität Bern (Schweiz) zum Thema Gesangsmanieren und deutsche Gesangstraktate im 18. und 19. Jahrhundert im Rahmen des SNF-Projekts Kontinuität oder Koinzidenz? Gesangspraxis und Gesangsästhetik ‘italienischer’ Prägung im Spiegel schriftlicher und akustischer Quellen (1600-1950). 2016-2019 SNF-Early- und Advanced- Postdoc-Stipendien am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien zum Thema Tragikomödie und Kulturtransfer zwischen Norditalien und deutschsprachigem Raum (1670-1750). 2019-2023 Projektleiter des FWF-Einzelprojekts „Translating and rewriting Italian opera in German-speaking countries (ca. 1600- ca. 1750)”. Seit 2022 Univ.-Ass. am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der mdw. Seit 2026 Lektor am Institut für Gesang und Musiktheater der mdw. Habilitationsprojekt über deutsche Übersetzungen italienischer Oper im Wien des Vormärz.
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Alfred Noe
Antonio Draghi als Verfasser geistlicher Libretti
Der Vortrag skizziert zunächst die Anfänge des geistlichen Librettos in italienischer Sprache am Wiener Kaiserhof im 17. Jahrhundert und die wichtigsten Merkmale der Gattung. Nach einem Überblick über Draghis Schaffen als Librettist folgt eine Analyse von L’Humanità redenta mit charakteristischen Passagen und Schlüsselbegriffen aus dem Text. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die Weiterentwicklung bei Nicolò Minato und Pietro Metastasio.
Alfred Noe
Außerordentlicher Universitätsprofessor in Ruhestand am Institut für Romanistik der Universität Wien. Unterrichtete romanische und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien. 2003–12 Mitglied der Kommission für Musikforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Leiter der Projekte Apostolo Zeno – I drammi per musica und Poesie sacre – kritische Ausgabe der Libretti (FWF).
Einschlägige Publikationen: Nicolò Minato. Werkregister, Wien: ÖAdW 2004. Geschichte der italienischen Literatur in Österreich. Teil 1: Von den Anfängen bis 1797, Wien: Böhlau 2011. (Mit Adriana De Feo): Apostolo Zeno. Poesie drammatiche. I.1. da “Gl’inganni felici” (1696) a “Temistocle” (1701); I.2. da “Venceslao” (1703) ad “Alessandro Severo” (1717), Wien: Böhlau 2021-22. (Mit Adriana De Feo und Nicola Usula): I libretti italiani a Vienna tra Sei e Settecento, Wien: Böhlau 2025. (Mit Christine Noe): Nicodemus Frischlin. Sämtliche Werke. Fünfter Band. Lyrik. 1. Teil 1562-1572; 2. Teil 1573-1577, Stuttgart-Bad Cannstatt: Frommann-Holzboog 2024-26. Apostolo Zeno. Poesie drammatiche. IV. Azioni sacre (1719-1737), Wien: Böhlau (in Druck). Beiträge in Frühe Neuzeit in Deutschland 1620-1720. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon, hg. von Stefanie Arend u.a., Berlin / Boston. Literarhistorische Einleitungen zur Ausgabe der Werke von J. J. Fux, Wien: Hollitzer.
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Herbert Seifert
„Form follows function“. Draghis Schaffen im Kontext seiner Funktionen
Im Zentrum steht das Verhältnis zwischen den jeweiligen Aufträgen an Antonio Draghi und seinen Funktionen am Kaiserhof. Seit 1658 gehörte er der neuen Hofkapelle der Kaiserinwitwe Eleonora an; ab 1661 erhielt er Libretti-Aufträge für Sepolcri und Opern. Auch über seine Funktion als Sänger ist eine kleine Spur aufgetaucht. Sein erster Karriereschritt erfolgte im Karneval 1666: Neben dem Libretto zu La Mascherata wurde ihm erstmals auch dessen Komposition übertragen. 1668 ernannte ihn Eleonora zu ihrem Vizekapellmeister, 1669 zu ihrem Hofkapellmeister, dem nun durch Minato die Last der Libretti abgenommen wurde. In diesem Amt komponierte er bis 1682 jährlich ein Sepolcro sowie zahlreiche Oratorien für ihre Kapelle. 1674 übertrug ihm der Kaiser als „Intendente delle musiche teatrali“ die Verantwortung für fast alle weltlichen musikdramatischen Werke. 1682 übernahm Draghi die Leitung der kaiserlichen Hofkapelle. Für diese komponierte er fortan die Karfreitags-Sepolcri, jedoch kaum Kirchenmusik – eine Gattung, die offenbar auch bei Eleonora nicht zu seinen Pflichten gehört hatte. Über drei Jahrzehnte lieferte Draghi somit die Musik für den Großteil der Opern und dramatischen Kammermusiken am Hof, daneben für mehrere Oratorien und jährlich ein Sepolcro. Bemerkenswert ist die Ausnahmeerscheinung von zwei rein komische Faschingsopern, die er bereits vor seiner ersten Beförderung vollständig selbst verfasst hatte.
Herbert Seifert, geboren 1945 in Baden bei Wien, seit 1963/64 Studium an der Universtät Wien (Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Italienisch). 1970 Promotion zum Dr. phil. (Dissertation: Giovanni Buonaventura Viviani. Leben, Instrumental- und vokale Kammermusikwerke, gedruckt 1982), Universitätsassistent, Forschungsaufenthalte in Italien, 1981 Habilitation (Die Oper am Wiener Kaiserhof im 17. Jahrhundert, gedruckt 1985), seit 1997 Außerordentlicher Universitätsprofessor an der Universität Wien, seit 2010 offiziell im Ruhestand. Publikationen und Lehr- und Vortragstätigkeit vor allem über frühe Oper, Monodie, österreichichische Musikgeschichte vom 17. bis ins 19. Jahrhundert und Aufführungspraxis. Ein Teil davon wurde gesammelt als Texte zur Musikdramatik im 17. und 18. Jahrhundert 2014 publiziert. Seit 2008 Ko-Editionsleiter der Werke von Johann Joseph Fux, derzeit auch Herausgeber einer Wiener Edition von Opern Mozarts (im Druck).

